Stormborn

Schon die zweite Folge beweist mit ihrer Mischung aus ruhigen Charaktermomenten und brachialen Kämpfen das Game of Thrones für jeden Zuschauer etwas zu bieten hat. Der Krieg um den eisernen Thron hat begonnen.

Letzte Woche gebührte der Mother of Dragons das Schlusswort, das gleichzeitig der Startschuss für die Charaktere und für die Zuschauer bedeutete. »Shall we begin?« Und so sitzen Daenerys und ihre engsten Vertrauten in einer stürmischen Nacht in der Chamber of the Painted Table und brüten über ihre Eroberungspläne. Aber sind wirklich alle Anwesenden vertrauensvolle Verbündete? Dany hat da so ihre Zweifel und nimmt den ehemaligen Master of Whisperers Varys ins Kreuzverhör. Ist Dany nicht aufgefallen das Varys auch schon im Finale der sechsten Staffel auf ihrem Schiff mit segelte? So fühlt sich diese Konfrontation doch arg inszeniert an und man könnte den Eindruck bekommen die angehende Königin hätte sich das alles doch etwas anders vorgestellt. Varys, der zuerst arg in die Defensive gedrängt wird, kann sich geschickt aus dem Griff der Sturmtochter befreien und versichert ihr, sein Interesse gelte einzig und allein dem Volk von Westeros. Klar, dass sich Dany, die sich einst den Beinamen Breaker of Chains durch die Befreiung der einfachen Leute verdient hat, von solchen Argumenten beruhigen lässt. 

Zwischendurch erscheint die rote Priesterin Melisandre auf Dragonstone und gibt Dany den Rat, sich die Geschichten von Jon Snow und der Gefahr im Norden anzuhören. Durch die Fürsprache Tyrions, willigt sie einem Treffen ein. Doch der King in the North solle gefälligst seine Treue der einzigen Königin von Westeros zeigen. Dieses entscheidende Detail wird sich in dem Brief an Jon später aber nicht wiederfinden. Diplomatisch sicherlich die richtige Entscheidung, könnte dies beim Treffen der beiden aber für Spannungen sorgen.

Bei der Besprechung mit ihren Verbündeten, den Sand Snakes und Ellaria Sand, den Greyjoy Geschwistern sowie der Queen of Thorns Olenna Tyrell, teilt Dany ihnen mit, wie sie gedenkt, die sieben Königreiche für sich in Anspruch zu nehmen. Der Vorschlag einen harten, schnellen und direkten Schlag gegen Cersei und King´s Landing auszuführen, verneint sie vehement. »I am not here to be queen of the ashes.« Eigentlich ein schöner Wahlspruch, den sich Dany da von ihrer Hand Tyrion in den Mund legen lies, doch Olenna Tyrell merkt hat, das Diplomatie und zögerliches Verhalten ihre geliebte Enkelin in Asche verwandelt hat. Und kann man den Plänen eines Lannisters überhaupt vertrauen? Ellaria sieht das jedenfalls nicht so und es kommt zu einem kleinen Scharmützel. So richtig vereint scheinen die Parteien unter dem Banner des Drachen anscheinend nicht zu sein. Die Queen of Thorns ist es später, die Daenerys  unter vier Augen den Rat gibt, sie solle doch nicht auf clevere Männer, wie es Tyrion ist, hören, sondern selber Entscheidungen treffen.  Während also Tyrells, Martells und Greyjoys sich um die Belagerung von King´s Landing über den Seeweg kümmern sollen, werden die Unsullied und Dothraki Krieger Richtung Süden zum Sitz der Lannisters, Castely Rock geschickt.

Bei all den militärischen Überlegungen und Verwerfungen innerhalb Dragonstones finden Missandei und Grey Worm einen ruhigen Moment, in dem sich die beiden näherkommen als je zuvor. Die Serienmacher schlagen mit dieser Szene gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Zum einen hat man die HBO berühmt berüchtigten Boobs und Sexszene, einen netten Charaktermoment für zwei Serienlieblinge, Fanservice und eine kleine Auflockerung der Felgenstruktur. Sex sells, auch noch nach sieben Jahren Game of Thrones.

In Oldtown kommt es nach der letzten kurzen Begegnung zu einer längeren Szene zwischen Sam und Jorah Mormone. Diesem bleiben nicht mehr als sechs Monate und seine Verbannung aus der Zitadelle ist für den nächsten Tag schon beschlossene Sache. Doch Sam wäre nicht Sam, wenn er nicht in einem Buch doch noch eine Methode gefunden hätte, wie er Jorahs Greyscale Erkrankung heilen könnte. Sam und Hermione Granger wären sicherlich beste Freunde geworden. Und so kommt es zu einer schmerzhaften entschuppung. Mit der Zitadelle scheint Game of Thrones momentan seinen Ort der Abscheulichkeiten gefunden zu haben.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man übrigens dem Gespräch von Samwell mit seinem Archmaester Ebrose schenken:

Ebrose: If you´re going to write histories, Tarly, you have to do the research. If you want people to read your histories, you need a bit of style. I´m not writing »A Chronicle of the Wars Following the Death of King Robert I« so it can sit on a shelf unread.

Samwell:

Ebrose: What? You don´t like the title? 

Samwell:

Ebrose: What would you call it, then?

Samwell: Mm, possibly something a bit more poetic?

Ebrose: We´re not poets, Tarly.

Geschicktes Foreshadowing? Ein netter Fingerzeig, dass den Machern die Theorie um Samwell Tarly bewusst ist, dass dieser das Lied von Eis und Feuer Jahre später niederschreibt und uns die Geschichte aus seiner eigenen subjektiven Sicht erzählt? Oder einfach nur eine unbedeutende Randnotiz?¹ 

In Winterfell sind sowohl die Informationen über die Dragonglassvorkommen in Dragonstone als auch die Einladung von Daenerys an Jon eingetroffen. Beide Briefe veranlassen ihn, gegen alle Bedenken seines Gefolges, »We need the King in the North in the North.«, sich auf den Weg zu Dany zumachen. Sansa hält zwar nichts von dieser Idee, wird aber mit dem Posten des Deputy of the North erstmal ruhiggestellt. Gemeinsam mit Littlefinger könnte sich hier eine Allianz gegen Jon herausbilden. Doch hoffentlich hat Sansa aus ihren früheren Fehlern gelernt und entsorgt ihn endlich.

Kann sich noch wer an das Cover der  Entertainment Weekly erinnern? Auf diesem waren die übrig gebliebenen Stark Kinder zusehenEntertainment Weekly. Sehr prominent in Szene gesetzt, war aber auch der Dolch, mit dem einst Bran umgebracht werden sollte. Littlefingers Dolch an Aryas Gürtel! Dieser wird aber vorerst für seine Offenherzigkeit, von Jon in die Mangel genommen. Der nächste Stark also der dem gerissenen Baelish, an die Gurgel springt. Spekuliert wurde ja, dass diese, aus den Trailern, bekannte Szene, die Enthüllung von Jons waren Eltern zeigt. Nun muss diese Enthüllung weiterhin warten. Diese ist nur eine von vielen Informationen, die für den Zuschauer längst klar ist, den Charakteren aber immer noch fehlen. 

Ein geschichtsträchtigeres Wirtshaus als das Inn at the Crossroads scheint es in ganz Westeros nicht zu geben. Und was haben sich hier nicht schon für Ereignisse abgespielt? Über die Ermordung von Sansas Direwolf Lady, der Gefangennahme von Tyrion Lannister durch Catelyn Stark, bis hin zum Aufeinandertreffen des Hounds,  Arya Stark und der Brotherhood without Banners. Und selbst Brienne und Podrick kehrt eins, auf ihrer Suche nach Sansa, in dieser Schänke ein. Und nun sitzt Arya hier und lässt sich von ihrem alten Weggefährten Hot Pie auf den neusten Stand bringen. Hatte man sich letzte Woche noch gewundert, warum sie nicht erst mal Richtung Norden zieht, weiß man nun, dass ihr die Ernennung ihres liebsten „Bruders“ Jon zum König noch gar nicht bekannt war. Und so macht sie sich am Kreuzweg nicht weiter gen Süden auf, sondern ist nun entschlossen nach Winterfell zurück zukehren. Die Stark Kinder so scheint es, kehren langsam alle nach Hause zurück. Oder doch nicht? Bei einer Rast im Wald wird Arya unverhofft von ihrem ehemaligen Direwolf Nymeria aufgestöbert. »That’s not you.« Ihr einstiger Direwolf hat für sich ein anderes Leben gewählt und will nicht mit ihr zurück in den Norden reisen.  Für Arya war einst auch ein anderes Leben vorgesehen und nun muss auch sie erkennen, dass sie jemand völlig anderes geworden ist.

Am Königshof geht es derweil etwas gemächlicher zu. Cersei ist auf der Suche nach Verbündeten gegen Daenerys und schürt geschickt die Angst vor der Mad Tochter aus dem fernen Osten, die mit wilden Horden und Barbaren über die Königslande herrschen will. Bei Sams Vater Randyll Tarly reißt diese Schreckensvision sicherlich offene Türen ein. War dieser doch schon nicht mit Sams Wildlingfrau Gilly einverstanden. Auch wenn der alte Militärstratege, der einst Robert Barathen bei dessen Rebellion die einzige Niederlage beibrachte, von Jamie noch etwas gebeten werden muss. Dass sich King´s Landing auch mit der Bekämpfung der drei Drachen auseinandersetzt und dies nicht durch ein magisches Horn, sondern durch schwere Ballisten geschehen soll, ist begrüßenswert. Heute muss noch die Schädelknochen des großen Balerion the Black Dread herhalten, morgen könnten es schon Drogon, Viserion und Rhaegal sein.

Die letzten 10 Minuten gehören dann ganz dem Kajal Piraten Euron der die Flotte von Yara auf den Grund der Narrow Sea schickt. Die Inszenierung dieser Seeschlacht bringt die Hektik und das Chaos zwar wunderschön rüber. Und auch die in Dunkelheit getauchte und nur durch Feuerfunken erhellte Nacht erschafft eine schöne Atmosphäre,. Dennoch fehlt es dem Gezeigten an Gewicht. Zwar lässt der Kapitän der Silence endlich auch mal Taten auf seine flotten Sprüche folgen, dennoch ist so gar kein Charakter von Interesse involviert. Die Sand Snakes finden endlich ihr verdientes Ende, Yara Greyjoy wird gemeinsam mit Ellaria und ihrer Tochter Tyene Sand gefangen genommen. In King´s Landing wartet auf alle drei nur der Tod. Lichtblick bleibt der geschändete Theon Greyjoy, der sich übermannt von seinen Emotionen nur noch mit einem Sprung ins Wasser zu retten weiß. Gibt es neben Alfie Allen noch einen Schauspieler in dieser Serie der so wenig Beachtung erfährt und dabei in jeder Szene großartig aufspielt?



Game of Thrones macht Tempo. War Staffel 6 schon ereignisreich, zieht die erzählerische Dimension noch mal gehörig an. Dass dabei einige kleine und größere Unstimmigkeiten im Hinblick auf Raum und Zeit aufkommen und einem der Verdacht beschleicht, hier werden nur der Geschichte willen, Charaktere und Handlungen passend gemacht, bleibt wohl ein Wermutstropfen mit dem sich Zuschauer und Serienmacher abfinden müssen. Zusätzlich gab es in dieser Episode einige schöne Querverweise auf vergangene Episode. Dennoch bietet auch die zweite Folge gewohnt hohes, von Mark Mylod inszeniertes   Entertainment bis zur letzten Sekunde. 



MEINE TODESLISTE FÜR STAFFEL 7

  • Ellaria und Tyene Sand
  • Yara Greyjoy
  • Cersei Lannister
  • Sandor »The Hound« Clegane
  • Tormund Giantsbane
  • Beric Dondarrion
  • Arya Stark

¹ Sam Darsteller John Bradley äußerte sich letztes Jahr zu dieser Theorie im Hollywoodreporter. Zu erst davon gehört habe ich in diesem Video zur Folge »Stromborn«. Besagte Stelle kommt ab Minute 3:16..

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