The Queen’s Justice

In Westeros steuern Frauen die Geschicke ihres Gefolges. Wie erfolgreich dabei Sansa Stark im Norden, Cersei Lannister in King´s Landing und Daenerys Targaryen auf Dragonstone sind, zeigt die dritte Folge der siebten Staffel Game of Thrones in aller Deutlichkeit. Wie lange werden ihre Regentschaften noch andauern?

Während Tyrion und Missandei die Nordmänner von Strand abholen und sich eher lapidar über vergangene Schlachten austauschen, bei der Sir Davos Seaworth immerhin seinen Sohn verloren hat, kommt es an andere Stelle zur Unterhaltung zwischen Varys und Melisandre. Diese beiden werden wohl keine Freunde mehr. Und so ist für die Red Woman ihre Aufgabe in Westeros vorerst erledigt. »I´ve brought ice and fire together.« Varys gibt ihr zum Abschied unmissverständlich zu verstehen, sie solle doch nie wieder zurückkehren, wenn ihr etwas an ihrem Leben liegt. Doch Melisandre hat für Varys noch eine kleine Spitze im Gepäck. »I have to die in this strange country. Just like you.« Im Thronsaal kommt es dann zur lang erwarteten Begegnung zwischen Dany und Jon. Für Daenerys ist klar, Jon soll seine Loyalität ihr gegenüber zeigen, mit ihr die Lannisters aus King´s Landing verjagen und als Belohnung den Titel des Warden of the North führen und unter Danys Regentschaft den Norden Westeros verwalten. Danach könne man sich immer noch um die Fabelwesen kümmern, weswegen Jon Snow so in Aufregung ist. Unter erhöhter Anspannung werden von beiden Seiten Argumente, wer denn nun welches Recht auf irgendwas hat, ausgetauscht. Dafür ein großes Lob an Emilia Clarke und Kit Harington. Beide Schauspieler hatten außerhalb von Game of Thrones nicht immer Glück mit ihrer Rollenauswahl, umso mehr können sie in dieser Folge überzeugen. Was der Ausspruch von Ser Davos bedeutet, darüber rätseln Dany und ihr Berater wahrscheinlich heute noch. »He took a knife in the heart for his people. He gave his own… [life?]« Tyrion kann später in Einzelgesprächen mit Jon und Dany, die jeweils andere Seite vom anderen überzeugen. Im privaten Austausch erhält Jon, letztlich die Erlaubnis Dragonglass für seine Zwecke abzubauen. Der Plot in Dragonstone ist zwar auch nicht ohne Stolperfallen, ist aber das Highlight dieser sonst doch eher mäßigen Folge. Was einige übrigens an einer sexuellen Beziehung zwischen Dany und Jon finden, erschließt sich zu mindest mir persönlich in keiner Weise.

Damit man sich keine Sorgen machen muss, springt die Episode für die wohl kürzeste Szene aus sieben Staffeln Game of Thrones zu Theon Greyjoy. Nach seinem rettenden Hüpfer in die Narrow Sea am Ende der letzten Folge, wird er nun von seinen Greyjoy Leuten wieder an Board gezogen. Niemand glaubt ihm aber die Geschichte, dass er heldenhaft für seine Schwester gekämpft hat, wahrscheinlich nicht mal er selber. Warum die anderen Greyjoy Seeleute überlebt haben, hätte Theon mal fragen sollen.

In King´s Landing reitet der Kajal Pirat Euron, gefeiert von den Leuten wie ein Popstar durch die Straßen Richtung Red Keep. Im Schlepptau die versprochenen Geschenke Ellaria und Tyene. Für Yara hat Cersei augenscheinlich keine Verwendung. Nachdem feierlich verkündet wird das Lannisters und Greyjoys nun eine Allianz bilden und die Hochzeit zwischen Löwin und Kraken nach dem Sieg über die fremden Eindringlinge stattfinden soll, erkundigt sich Euron noch schnell bei seinem baldigen Schwager, über die sexuellen Vorlieben seiner Zukünftige. Wie lustig! Wer glaubt den ernsthaft, dass nur einer der beiden diese Staffel überleben wird? Die Kriegsbeute wird anschließend in einen Kerker gesperrt und mit einem bittersüßen Kuss des Todes, vergiftet die Madqueen die junge Tyene und zwingt Elaria, zur Tatenlosigkeit verdammt, den Tod ihrer eigenen Tochter anzusehen. Wie lange der jetzt noch auf sich warten lässt? Dass sich Cersei an diesem Punkt ihrer Entwicklung, tatsächlich noch zu so einer poetischen und gleichzeitig psychologisch grausamen Lösung entschließt, mag man eigentlich nicht mehr glauben. Umso mehr fühlt man ihren Schmerz, den sie bei dem Tod von Myrcella ertragen musste. Einzig Sir Gregor Clegane, der Zombie Mountain, schien etwas enttäuscht über die Herangehensweise seiner Königin zu sein. Ist für den Hühnen nicht noch etwas Septa Unella übrig? Erregt über diesen Erfolg, besinnt sich Cersei jedenfalls auf ihre wahre Vorliebe. Jaime Lannister. Dass der Kingslayer tatsächlich noch ein körperliches Interesse an dieser Verrückten hat, muss wahrer Liebe entspringen. Dass in King´s Landing unter Cerseis Regentschaft nun mehr den je Sodom und Gomorra herrscht, zeigt sich am nächsten Morgen. Unverblümt öffnet die halb nackte Cersei der Kammerzofe und steht augenscheinlich zu ihrem inzestuösen Verhältnis mit ihem Bruder. Doch die Ankündigung eines unliebsamen Besuchers verdirbt ihr schnell wieder die Laune. Klopf! Klopf! Wer ist da? Die Bank! Welche Bank? Die IRON BANK aus BRAAVOS!! Ja man hatte sie schon fast vergessen. Doch jetzt steht sie vor der Haustür und will endlich ihr Geld zurück. Hat denn denen niemand erklärt, dass in Westeros politische Instabilität herrscht? Geld ist sowieso nicht vorhanden, oder zumindest nicht in den Händen der Krone. Und so muss sich Tycho Nestoris damit begnügen, dass die ausstehenden Schulden innerhalb der nächsten 14 Tage beglichen werden.

Sansa zeigt derweil in Winterfell ihre Führungsqualitäten und nimmt ihre Rolle als Vertretung sehr ernst. Was natürlich Littlefinger hoch erfreut. Der schleimt immer noch im Norden rum und gibt Sansa wieder mal schlaue Ratschläge. So langsam darf es aber auch zu Ende gehen mit unserem Chefintriganten. Zumal immer deutlicher wird, dass hinter seinen Plänen nichts mehr als  die schnöde Gier nach Macht steckt. Ob die erwähnten Briefe, die Maester Luwin gewissenhaft archiviert hat, noch ein Geheimnis beinhalten, dass Littlefinger noch auf die Füße fallen könnte? Er zumindest ist von dieser Nachricht nicht begeistert. Doch auch im Sitz der Starks kommt ein unerwarteter Besucher. Der Three-eyed raven, aka Bran Stark, hat es nach unzähligen Monaten zurück nach Hause geschafft. Seine Schwester fällt ihm voller Wiedersehensfreude um den Hals. Doch irgendwo zwischen Mauer und Winterfell ist Bran zum gefühllosen Wesen mutiert. Keine Regung huscht dem letzten männlichen Stark übers Gesicht. Für Sansa sind seine zusammenhangslosen Äußerungen völlig unverständlich. Und als Zuschauer kann man sich nur kopfschüttelnd fragen, wie schwer es denn bitte sein kann, zu erklären welche Fähigkeiten er jenseits der Mauer erlangt hat. Abgerundet wird das ganze durch Brans Gerede über Sansas Hochzeitsnacht mit Ramsey. Dass er Sansa noch nie leiden konnte, hättet er ihr auch schonender beibringen können. Hoffen wir also das sich Arya unterwegs nicht verritten hat und nächste Woche ebenfalls in Winterfell eintrifft.

In Oldtown findet in der Zwischenzeit die Geschichte zwischen Sam und Jorah zu einem simplen, ja fast schon banalem Ende. Es ist zwar schön das sich der geschickte alte Kämpfer wohl noch ein letztes mal in den Dienst seiner Königin stellen kann, aber ist eine Krankheit wie Greyscale in der Serie dann nicht etwas zu sehr aufgebauscht worden um sie mit ein paar gezielten Messerschnitten und etwas Zauberpaste zu heilen? Die Anerkennung seines Lehrmeisters hat Sam dennoch verdient. Und so erscheint die Aufgabe, alte Dokumente zu kopieren, nur auf den ersten Blick als Bestrafung. Lassen sich etwa in diesen Pergamenten Hinweise zur Bekämpfung des Night´s King finden? Hoffen wir es, andernfalls läuft die Sache in der Zitadelle wohl ins geschichtliche Aus.

Was als Höhepunkt der Folge geplant war, verpufft leider völlig und zeigt die momentanen Schwierigkeiten der Serienmacher. Auf der einen Seite hat die Serie nicht mehr die Zeit alles bis ins kleinste Detail auszugestalten, auf der anderen Seite würde ein wenig mehr dazu beitragen die Geschehnisse glaubhafter zu machen und ihnen die nötige Wirkung für Charaktere und Zuschauer zu geben. Denn sowohl Casterly Rock als auch Highgarden sind zwei zentrale Standorte auf der Karte von Westeros. Hier sitzen zwei der einflussreichsten Familien des Kontinents. Und natürlich will man die große Schlacht, die uns wohl in der nächsten oder spätestens übernächsten Folge erwartet nicht durch ausufernde Scharmützeln verwässern. Und vor allem ist es wohl trotz des riesigen Erfolges eine Budgetfrage. Dennoch, wenn zwei so bedeutende Schauplätze das erste Mal in der Serie auftauchen, kann man schon etwas mehr erwarten. Inhaltlich betrachtet, lässt sich festhalten das die Eroberungspläne von Tyrion völlig fehlgeschlagen sind. Wenn denn wirklich das passiert ist, was wir in der Folge gesehen haben. Durch die Inszenierung der Erstürmung der Lannister Festung über die der Dialog von Tyrion gelegt wurde, könnten durchaus Zweifel an der Verlässlichkeit des Erzählers aufkommen. Wenn nicht, hat Daenerys binnen zwei Folgen weitestgehend ihre Flotte und eine Vielzahl der Unsullied verloren. Von den Dothraki ganz zu schweigen. So viel zu den cleveren Plänen von schlauen Männern. Zum Ende gibt es noch eine letzte große Szene von Diana Rigg in ihrer Rolle als Lady Olenna Tyrell, die sich als letztes verbliebenes Mitglied ihres Hauses den Truppen von Jaime geschlagen geben muss, ihm aber noch ihre Rolle bei der Ermordung von Joffrey als letzten Gruß an Cersei übermittelt. Für sie ist das Spiel nun zu Ende, für uns geht es nächste Woche weiter.



Inhaltlich ist wieder eine Menge passiert und dabei sind nicht nur einige Steine verschoben, sondern auch gänzlich aus dem Spiel genommen worden. Die großen Häuser in Westeros dünnen sich so langsam aber sicher von ganz alleine aus. Leider wird die erzählerische Breite durch mangelhafte Inszenierung, schlechtes CGI, verwirrender Schnittarbeit und einige unbefriedigte Storyelemente torpediert. Das Tempo führt zuweilen dazu, mit der seit sechs Staffeln aufgebauten Immersion zu brechen. Da wo es nötig ist, Stichwort Dragonstone, nimmt sich die Folge noch die benötigte Zeit die sie brauch. Es wäre wünschenswert, wenn es allen Storysträngen so ergehen würde. Aber »Enough with the clever plans.« Es wird Zeit die Drachen von der Leine zu lassen.



MEINE TODESLISTE FÜR STAFFEL 7

  • Ellaria und ?[Tyene Sand]?
  • Yara Greyjoy
  • Cersei Lannister
  • Sandor »The Hound« Clegane
  • Tormund Giantsbane
  • Beric Dondarrion
  • Arya Stark

2 Gedanken zu “The Queen’s Justice

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