The Spoils of War

Es ist Halbzeit im Spiel um den Iron Throne. Die Spielsteine wurden mal mehr mal weniger geschickt platziert. Zeit das es zum ersten großen Schlagabtausch kommt. Regisseure Matt Shakman haut dabei in knackige 47 Minuten ein Feuerwerk der Serienhistorie heraus. Game of Thrones is on fire!

Die vierte Folge entschädigt alle, die mit der Letzten so ihre Probleme hatten. Sowohl in Winterfell als auch auf der Rosenstraße kommt es zu denkwürdigen Ereignissen und in Dragonstone kippt allmählich die Stimmung. Einzig die Szenerie in King’s Landing fällt im Vergleich zum Rest etwas ab. Das liegt vor allem an der Tatsache, das uns schon bekannte Informationen noch mal vorgekaut werden. Weniger Redundanz hätte der Szene gut getan. Oder man hätte sie gleich in die vorherige Folge integriert. Einzig das Beiläufige erwähnen, das Qyburn Kontakt mit der Golden Company aufgenommen hat, einer Söldnerarmee, lässt uns aufhorchen. Cersei schart also, wie von Jaime gefordert, neue Verbündete um die Krone.

Im Norden werden vorerst ruhigere Töne angeschlagen. Nachdem letzte Woche Bran nach Winterfell zurückgekehrt ist, gesellt sich nun auch Arya zum Wolfsrudel. Ihre Rückkehr ist dabei so stimmungsvoll eingefangen, dass man am liebsten aufspringen will und ihr zu jubeln möchte. Das dem schmierigen Littlefinger langsam die Felle wegschwimmen wird ihm hoffentlich erst zu spät bewusst werden. Vorerst streckt er seine Finger nach Bran aus. Logisch ist der doch der letzte lebende männliche Stark und das bedeutet in Westeros noch etwas. Blöd nur, dass sich unser Zeitreisender nicht mehr als Stark, sondern als losgelöste Entität wahrnimmt. Baelish macht zwar auf gutherzigen Onkel, bekommt dafür aber von Bran einen kleinen Vorgeschmack seiner neu gewonnen Fähigkeiten. »Chaos is a ladder.« Da muss selbst der abgebrühte Intrigant kurz schlucken.

Den valyrischen Dolch hätte er mit diesem Wissen Bran wohl besser nicht gegeben. Für Meera hingegen ist die Reise erst mal zu Ende. Es kommt zu einem unterkühlten auf Wiedersehen.  Sie spricht es stellvertretend für den Zuschauer aus: »You died in that cave«. Dass wir sie, eventuell mit ihrem Vater, noch mal zu Gesicht bekommen, kann man wohl annehmen. 

In der Krypta unter Winterfell kommt es wenig später zum Treffen der zwei Schwestern. Und was haben Arya und Sansa nicht alles erlebt in sieben Staffeln Game of Thrones. Hatten die beiden früher nur wenig Verständnis für ein andere übrig, so haben sie jetzt zumindest Respekt voreinander. Jeder weiß, der jeweils andere hat viel Schreckliches erlebt und dennoch sind sie wieder nach Hause gelangt. Doch auch Arya muss feststellen, sie ist nicht die Einzige die sich verändert hat. Im Godswood suchen sie Bran auf, der in seinem neu gebauten Rollstuhl  sitzt und nach einigen Hin und Her seiner Schwester den Dolch von Littlefinger aushändigt. Hat Dr. Branhattan¹ hier aktive ins weitere Geschehen eingegriffen? Sicherlich gibt er Arya diesen Dolch aus einem ganz bestimmten Grund. Wird die Assassine sich nun endlich um Littlefinger kümmern? Zurück in der eigentlichen Festung von Winterfell, kommt es zu einem absoluten Fanservice Moment. Die kleine schmächtige Arya probiert ihr Glück gegen Brienne. Zwar ist der Kampf schön choreografiert und beinhaltet eine Menge Wucht, gerät gegen Ende hin sogar etwas aus den Rudern, doch dass sich Arya ein Unentschieden erkämpft, ist trotz Ausbildung bei den Faceless Men und dem Hound sowie Syrio´s Bravos Stil, eher unwahrscheinlich. Spätestens hier, wird Littlefinger und auch Sansa klar, die jüngeren Stark Kinder haben gefährliche Fertigkeiten mit nach Hause gebracht.

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Auf Dragonstone werden die  Fäden aus der letzten Woche wieder aufgenommen. Jon führt Daenerys in die Dragonglass Minen und zeigt ihr nebenbei noch einige Höhlenmalereien der Children of the forest und der First Men die gemeinsam, GEMEINSAM Dany, gegen die White Walker kämpften, oder haben Davos und Jon hier selber  an den Höhlenwänden herumgekritzelt? Für Dany ist es aber endlich der Beweis, Jon hat sich den ganzen Quatsch nicht ausgedacht und wird ihn und den Norden unterstützen, wenn dieser endlich sein Knie beugt, seinen Stolz runter schluckt und Dany als alleinige Herrscherin von Westeros ansieht. Das sollte Jon doch bekannt vorkommen. Leider ist in dieser Szene dann doch eine gewisse Liebelei zwischen Jon und Dany zu erkennen. BITTE NICHT!

Am Strand kippt die Stimmung dann aber ganz schnell. Denn Dany erreicht die Nachricht, dass die Unsullied zwar Casterly Rock eingenommen haben,  ihre Flotte dabei aber zerstört und zusätzlich Highgarden von Lannister Truppen eingenommen wurde. Daenerys ist dabei den Krieg um den Iron Throne zu verlieren und so fragt sie, sichtlich erzürnt, Jon um Rat. Dieser gibt ihr klar zu verstehen, dass ein Angriff auf King´s Landing sie nicht besser machen würde als all die anderen Könige und Rebellen. Für den Zuschauer bleibt die Frage vorerst offen, wie sich Dany entscheidet. Doch als Theon zurück nach Dragonstone kehrt, ist die Königin schon auf und davon. Schade, so schwindet die Hoffnung für den Zuschauer und Theon, Yara noch retten zu können immer mehr. Oder es läuft auf ein Himmelfahrtskommando hinaus, das wohl nur einer der Greyjoys überleben wird. Wo wird Yara eigentlich gefangen gehalten? Ob es das vorerst war mit der Dracheninsel? Wird sich der König des Nordens wieder nach Winterfell aufmachen? Viel Neues haben wir jedenfalls nicht erfahren, aber Danys Temperament scheint noch für einige Schwierigkeiten zu sorgen. Sowohl in dieser Folge als auch in den nächsten.

Das Sahnestück dieser Episode sind aber ohne jeden Zweifel die letzten 15 Minuten. Während der Konvoi aus Highgarden, der mit allerlei Gold und Nahrung beladen ist, sich  Richtung King´s Landing bewegt, spürt man, wie sich binnen Sekunden die Anspannung bei allen hebt. Da bleibt für Smalltalk nur noch ganz wenig Zeit. So erfahren wir von Randal Tarly, dass die eroberten Goldreserven sicher in der Hauptstadt angekommen sind. Hier habt ihr euer Gold, ihr blöde Iron Bank! Was dann folgt, lässt sich wohl nur mit den Worten von George R. R. Martin selbst passend beschreiben. Die erdrückende Stille, die sich um die dahin ziehende Kolonne gelegt hat, wird durch ein sich näherndes Donnern beendet. Jaime, Bronn und der alte Tarly versuchen zwar die eigenen Reihen schützend vor den so wichtigen Nahrungsmittelwaagen zu postieren, doch die bloße Masse an Reitern, die auf sie herunter geritten kommt, verheißt nichts Gutes. Ein einziger Schrei lässt Jaime erzittern. Über der gigantischen Horde Dothraki, schwebt Daenerys Tagaryen persönlich, die auf ihrem Drachen Drogon der »feindlichen Armee« entgegen fliegt. Was gerade in der letzten Woche an Budget eingespart wurde, wird hier mit vollen Händen ausgegeben. Mit einem Angriff nach dem anderen dezimieren die Dothraki und der Feueratem Drogons die Truppen der Lannisters/Tarlys. 

When you´re level 2 and accidentally wander into a level 50 area

Dabei sind Schnitt, CGI, praktische Effekte und Musik zu einer Einheit verschmolzen, so das sich dieser Schlagabtausch nicht hinter Leuchtturm Folgen wie »The Watchers on the Wall«, »Hardhome« oder »Battle of the Bastards« verstecken muss. Die emotionale Fallhöhe ist dabei zu jeder Zeit sehr hoch und immer wieder durchfährt einem der Gedanke, hier kann  jederzeit ein lieb gewonnener Charakter sterben. Und ja ich bin im #TeamDickon. Nie zuvor hatte man sosehr das Gefühl, man will keine der beiden Seiten verlieren sehen. Und wenn Daenerys mit Drogon, der von einem Pfeil getroffen zu Boden fällt, oder Bronn sich gerade noch so vor dem Feuer in Deckung bringen kann und ganz zum Schluss Jaime seine Chance sieht, diesen Krieg zu beenden, dann ist Game of Thrones ganz großes Kino. »He came running at me, this dumb high-born lad, thinking he could end the rebellion with a single swing of his sword.«



Matt Shakman ist Außerordentliches gelungen. Er hat in einer Dreiviertelstunde mehrere Handlungsstränge weiter gesponnen und dabei eine visuell und emotional beeindruckende Schlacht inszeniert. Hier und da gibt es zwar einige Kleinigkeiten zu bemängeln, in der Summe aber ist die vierte Folge nicht nur ein Vorgeschmack auf den nun anstehenden Krieg, sondern ein echtes Serienhighlight.



MEINE TODESLISTE FÜR STAFFEL 7

  • Ellaria und ?[Tyene Sand]?
  • Yara Greyjoy
  • Cersei Lannister
  • Sandor »The Hound« Clegane
  • Tormund Giantsbane
  • Beric Dondarrion
  • Arya Stark

¹ https://youtu.be/FSCT_TTfS-U?t=46m30s

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