Eastwatch

Letzte Woche hat Game of Thrones geliefert. Über sechs Staffeln hinweg gab es kaum etwas, was mehr erwartet wurde, als Daenerys Drachen über Westeros in Action zu erleben. In der fünften Folge zieht es die Handlung, dem Namen der Epiosde nach, Richtung Osten. Endlich widmet sich das Lied von Eis und Feuer der Bedrohung jenseits der Mauer. Was sich in den letzten Folgen dabei schon angedeutet hat, wird nun in »Eastwatch« zum greifbaren Problem. Die Ereignisse in Westeros sind in der aktuellen Folge völlig aus dem Raum-Zeit-Gefüge gefallen.

So schön der gewählte Ausstieg aus der letzten Episode auch war, man konnte schon letzte Woche erahnen, dass die Serienmacher und ihr Regisseure Matt Shakman mit der Auflösung durchaus Probleme bekommen könnten. Und so entschied man sich für die denkbar simpelste Begründung und gibt sich dabei erst gar keine Mühe verständlich zu erklären wie genau Bronn und Jaime, der eine in voller Rüstung, der andere zumindest in allerhand Leder gewickelt, erst drei Meter von Dany und Drogon entfernt ins Wasser fallen, um jetzt ohne jegliche Konsequenzen, mehrere Meter weiter weg und unbehelligt am Ufer wieder auftauchen können. BULLSHIT möchte man den Verantwortlichen entgegen brüllen. »Zu jedem komplexen Problem gibt es eine einfache und leicht verständliche, aber falsche Lösung.«¹ Hätten nicht ein paar Dothraki, die nach den zwei gesucht hätten, wenigstens für etwas mehr Glaubhaftigkeit gesorgt? Immerhin war es Jaime, der einst Dany’s Vater ermordet hat.

Während also Bronn und Jaime gemütlich am Ufer darüber philosophieren, dass der Einsatz alle drei Drachen wohl das endgültige Ende der Lannisters wären, versammeln sich die Überlebenden um die Mother of Dragons. In ihrer ganzen Güte gibt Daenerys denn Lannister und Tarly Truppen zwei Möglichkeiten. Akzeptiert mich und kämpft für mich gegen Cersei oder sterbt noch an Ort und Stelle. Randyll Tarly und sein Sohn Dickon, #TeamDickon, wählen Letzteres und sterben einen fürchterlichen Feuertod, da helfen auch keine diplomatischen Versuche seitens Tyrion, seine Königin umzustimmen. Der klägliche Rest, der eventuell noch bedenken hatte fällt nach dieser Aktion aber schleunigst auf die Knie. Eine nachhaltige Überzeugungsarbeit sieht eigentlich anders aus. Wäre es nicht viel klüger gewesen, die Soldaten von sich zu überzeugen, anstatt ihnen den Tod anzudrohen? Und was sind solche Soldaten wert, wenn sie einem nur aus Angst folgen? Daenerys hat doch schon öfter gezeigt, dass sie einige gute Reden halten kann. Warum nicht jetzt?

In Winterfell entwickelt sich die Sache dagegen immer mehr zum Katz und Maus Spiel. Der kurze Einschub, bei dem Bran in einige Raben wargt um die Position des Night´s King herauszufinden, ist sicherlich gut inszeniert, bietet aber abseits der schönen Bilder, weder für die Charaktere noch für die Zuschauer neue Informationen. Der eigentliche Fokus liegt aber auf den zwei Stark Schwestern. Für Arya gibt es deutliche Anzeichen dafür, das Sansa ihre eigene Position im Norden stärken will und versuchen wird nach der Macht zugreifen. Lord Glover und Lord Royce bereuen nämlich schon ihre Entscheidung, Jon und nicht Sansa zu ihrem Anführer gemacht zu haben. Und Sansa lässt die beiden gewähren. Für Arya genug Grund die beiden einen Kopf kürzer zu machen und ihre Schwester mit diesen Vorwürfen zu konfrontieren. Kommt es wirklich nach einer so kurzen Zeit der Wiedervereinigung zum Bruch? Und hat Jon es nicht für nötig gehalten, eine Mitteilung über die momentane Entwicklung auf Dragonstone nach Winterfell zu schicken? »When the snows fall and the white winds blow. The lone wolf dies but the pack survives.«

Doch Arya misstraut nicht nur Sansa, auch der ausgebuffte Littlefinger steht unter ihrer Beobachtung. Die vor zwei Folgen erwähnten Briefe, die Maester Luwin archiviert hat, werden nun zum Spielball zwischen dem Intriganten und der Assassinen. Denn Littlefinger hat Sansas Brief an Robb, in dem sie ihren Bruder dazu aufforderte nach King´s Landing zu kommen, um Joffrey als seinen rechtmäßigen König anzuerkennen, herausgekramt und versteckt ihn nun in seiner Matratze vor allzu neugierigen Blicken. Doch für Arya ist das naturgemäß kein Hindernis und so entdeckt sie das Schreiben und zieht vorerst von dannen. Wer hier mit wem seine Spielchen spielt, bleibt vorerst unbeantwortet. Sah es erst so aus, dass Arya dem gerissenen Lord Bealish einen Schritt voraus ist, so müssen wir als Beobachter der Szene jetzt annehmen, Littlefinger hat die Kontrolle und manipuliert nun Arya nach Belieben. Oder spielt Arya ein doppeltes Spiel? Eine Auflösung wird uns wohl bald präsentiert werden. So steckt eigentlich in dem Schriftstück von Sansa keinerlei Konfliktpotenzial, da aus dem Brief heraus schon deutlich wird, das sie zu diesen Zeilen gezwungen wurde. Und selbst Arya kann nun nicht so dumm sein und dem Glauben schenken, was dort steht. Oder gibt es eventuell noch einen weiteren Brief? Doch was soll das alles, wenn im Nebenraum der allwissende Three-eyed Raven sitzt? Vielleicht hätte ein klärendes Gespräch zwischen Arya und Sansa auch gereicht, um sich gegenseitig auf den neusten Stand zubringen.

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In Oldtown ist nun das eingetroffen, was man schon befürchten konnte. Außer der abenteuerlichen Heilung von Jorah Mormont durch Sam, ist letztlich nichts von größerer Bedeutung passiert. Ein letztes Mal versucht Samwell seinen Lehrmeister Ebrose und dessen Kollegen davon zu überzeugen, dass die Gefahr durch die White Walker real ist. Vergeblich, für diese ist die Nachricht aus Winterfell zwar durchaus diskussionswürdig, müsste aber noch einmal gegengeprüft werden. Dass die Night´s Watch ähnliche Beobachtungen schon seit Jahren jenseits der Mauer verzeichnet, scheint gar nicht bis in die Zitadelle gelangt zu sein. Genervt von allem und zur Tatenlosigkeit verdammt, beschließt Sam mit Gilly und little Sam abzureisen, nicht aber ohne einige hilfreiche Unterlagen mitgehen zu lassen. Hoffen wir, dass die Notiz, Prinz Rhaegar habe seine Ehe zu Elia Martell annullieren lassen, um eine andere in Dorne zu ehelichen auch dabei ist. Belegt sie doch, dass Jon kein Bastard ist und somit einen legitimen Anspruch auf den Thron hätte. Mehr noch als seine Tante Daenerys. Für Sam hingegen endet mit den Worten: »I´m tired of reading about the achievements of better men.« seine Verwandlung vom ängstlichen Taugenichts zum tapferen Helden.

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Nach ihrem kleinen militärischen Ausritt mit Drogon, landet Dany nur wenige Schritte von Jon entfernt an einer Klippe auf Dragonstone. Dafür, dass die Balliste dem Drachen in der letzten Folge eine volle Breitseite mitgegeben hat, scheint er nun auf wundersame Weise geheilt zu sein. Nach ein paar Streicheleinheiten von Jon, ja wir haben es verstanden Jon ist ein Targaryen und Euer CGI Drache sieht klasse aus, führen einige Dothraki Krieger den wieder genesenen Jorah zu Daenerys. Das gefühlt hundertste Wiedersehen der zwei lockt dabei vermutlich kaum noch jemanden hinterm Ofen hervor. Bleibt an dieser Stelle nur noch die Frage, welche Schlussfolgerungen wir aus der Zuneigung Drogons zu Jon ziehen. Eine ähnliche Szene gab es ja schon in der Folge »Home« der sechsten Staffel. Damals befreite Tyrion die Drachen unbeschadet aus ihrer Gefangenschaft. Ist Tyrion damals seiner wahren Heimat nähergekommen, als er selbst denkt und bestätigt sich so im Umkehrschluss nun auch eine Theorie, demnach unser liebster Zwerg auch ein Targaryen ist?

Apropos Tyrion. Dieser verarbeitet mit Varys bei einem großen Schluck Wein die Sache mit dem Loot Train Massaker. Varys gibt ihm den Ratschlag mit auf dem Weg, er muss eine Möglichkeit finden Daenerys wieder empfänglicher für seine Vorschläge zumachen. Wie sehr hat sich Dany von Olenna eigentlich beeindrucken lassen? Im Taktikraum kommt es dann zu einer der konstruiertesten Entwicklungen der gesamten Serienhistorie. Nach Bran´s Brief ist Jon entschlossen auch ohne die Hilfe von Daenerys sich der untoten Armee des Night King´s entgegenzustellen. Dany will ihm immer noch nicht unterstützen, da sie durch ihre militärischen Niederlagen angst davor hat, Cersei das Feld nun gänzlich zu überlassen. Wie geht es eigentlich den Unsullied und der Flotte von Euron in Casterly Rock? Der eigentliche Plan, einen kleinen Trupp hinter die Mauer zu schicken um einen Untoten zu fangen und als Beweis nach King´s Landing zu bringen, schreit ja förmlich danach als möglicher Plotpoint, dem einen oder anderen Charakter die Chance zugeben durch einen heldenhaften Tod aus der Serie zu scheiden. Noch verrückter wird das ganze, wenn sich dazu noch die Meinung durchsetzt, es wäre clever Tyrion nach King´s Landing zu schmuggeln, um über seinen Bruder Jaime Kontakt zu Cersei aufzunehmen. Das hätten die Serienmacher durch eine mögliche Gefangennahme Jaime´s am Anfang der Episode doch viel glaubwürdiger bekommen können. So macht sich also das eine Himmelfahrtskommando, bestehend aus Davos und Tyrion Richtung Hauptstadt auf, während das zweite unter der Führung von Jon zur Festung Eastwatch-by-the-Sea segelt.

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Jaime hat es derweil zurück nach King´s Landing geschafft und berichtet seiner Schwester nun von der Niederlage gegen Daenerys. Auch die Information, das Olenna Tyrell und nicht ihr Bruder Tyrion, Joffrey auf dessen Hochzeit vergiftet habe überbringt er ihr. Und auch Davos und Tyrion haben mittlerweile die momentane Teleportation für sich entdeckt und schlagen am Strand unterhalb der Red Keep auf. Während sich Tyrion aufmacht, ein durch Bronn arrangiertes Treffen mit Jaime, zu erreichen. Besucht der alte Schmuggler Davos in der Street of Steel einen alten Bekannten. Auch wenn sich in den Trailern zur siebten Staffel der eine oder andere Hinweis eingeschlichen hatte, viele haben mit einer Rückkehr Gendry´s wohl nicht mehr gerechnet. Und so bleibt vorerst abzuwarten wie sich die Sache entwickelt.

Weit wichtiger dagegen ist das Treffen zwischen Jaime und Tyrion. Das zwar toll gespielt war, aber leider nicht den benötigten Raum in der Episode bekommen hat. Da sind zwei Figuren, die sich immer gemocht haben. Zwei Brüder, die füreinander sehr viel Respekt aufbringen, soviel dass der eine den anderen vor seiner Exekution befreit hat, um dann zu erfahren, dass der anderen, ihren Vater, bei seiner Flucht, auf dem Klo mit einer Armbrust erschossen hat. Und die ganze Szene bekommt nicht mehr als 3 Minuten. Für Cersei, die von dem Treffen wusste, spielt es eh keine Rolle, welche Bedrohung auf sie zu rennt. Für sie steht fest, sie werden sie alle überstehen. Nicht ohne Jaime dabei eine deutliche Warnung auszusprechen. Noch so einen Verrat wird die Königin auch nicht bei ihrem Bruder dulden. Die Schwangerschaft, die nun zusätzlich im Raum steht, lässt Jaime nun völlig emotional kollabieren. Ist dass der Anfang vom Ende? Zwar mit einigen Schwierigkeiten, zum Glück kann Gendry den Hammer ordentlich schwingen, schaffen es die Drei wohlbehalten nach Dragonstone zurück. Was bleibt, ist das Gefühl einem sehr konstruierten Schauspiel beigewohnt zu haben, dass mit etwas mehr Sorgfalt und einigen zusätzlichen Szenen mehr Tiefgang bekommen hätte.

Der zweite Trupp Kamikaze Krieger erreicht nur kurze zeit später Eastwatch-by-the-Sea. Für Tormund, der seit seiner Abreise aus Winterfell Stellung in der Burg der Night´s Watch bezogen hat, ist der Plan, den sich Jon ausgeheckt hat alles andere als überzeugend. »You need to convince the one with the dragons or the one who fucks her brother?« Doch es gibt da noch etwas, was er dem König des Nordens zeigen muss. In einer Zelle hocken die Mitglieder der Brotherhood Without Banners und der Hound, die wir seit der ersten Folge nicht mehr gesehen haben. Nach dem wirklich jeder mit jedem über die eine oder andere Ecke schon mal negative Erfahrungen ausgetauscht hat, beschließen sie, sich für die Reise hinter die Mauer zusammenzuschließen. Herrlich komödiantisch, welchen Background all diese fantastischen Charaktere über die Zeit angesammelt haben. Und so machen sich Jon, Tormund, Jorah, Gendry, der Hound, Berrick Dondarrion und Thoros of Myr auf, hinter der Mauer einen Untoten gefangen zu nehmen. Einfach wird das sicherlich nicht, wenn nicht so gar unmöglich.

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Was sonst in einer ganzen Staffel passiert, findet nun Platz in einer Folge. Das ist auf der einen Seite befriedigend, weil die Handlung sich dadurch immer mehr dem Ende zu neigt, auf der anderen Seite aber noch stärker als zuvor viel Potenzial links und rechts liegen bleibt. Man kann diese Dinge bedeutungslos finden für die Haupthandlung, für den Rahmen sind solche Details aber nötig, wenn dieser nicht in sich zusammenfallen soll. Und in »Eastwatch« droht der Serie genau das. Die Zeit scheint endgültig zum eigentlichen Feind der Serienmacher zu werden. Das hat, so kann man als kleines Zwischenfazit dieser Staffel jetzt schon sagen, Game of Thrones gar nicht nötig.



MEINE TODESLISTE FÜR STAFFEL 7

  • Ellaria und ?[Tyene Sand]?
  • Yara Greyjoy
  • Cersei Lannister
  • Sandor »The Hound« Clegane
  • Tormund Giantsbane
  • Beric Dondarrion
  • Arya Stark

¹ Prof. Dr. Harald Lesch

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