The Dragon and the Wolf

Ein bittersüßes Ende beschert uns das Finale in der siebten Folge Game of Thrones. Die Ränkespiele um den eisernen Thron sind vorerst vorbei. Auch diese Episode schafft es wieder beeindruckende Bilder zu erzeugen, sie führt die Serie stellenweise sogar zurück zu ihrem Ursprung. Doch ist Game of Thrones jetzt, da die einzelnen Fäden zusammenfinden, endgültig an den Punkt einer self-fulfilling prophecy angekommen?  

Der Löwenanteil in der letzten Folge fällt eindeutig den Sondierungen der rivalisierenden Parteien in Westeros zu. Genauer gesagt treffen sich im Dragonpit, das heute nur noch eine Ruine ist, so ziemlich alle Haupt- und Nebencharaktere, die sich in 67 Folgen so angesammelt haben. Bronn trifft auf Tyrion, Tyrion auf Podrick, Brienne auf den Hound, der Hound auf seinen Bruder, Theon auf seinen Onkel, den Kajalpiraten Euron, Cersei auf Tyrion und Jaime auf Brienne. Ziel ist es mit Cersei einen Waffenstillstand auszuhandeln, um gemeinsam gegen die Bedrohung der untoten Armee vorzugehen. Natürlich lässt es sich Dany nicht nehmen, wie es sich für die Mother of Dragons gehört, auf Drogon sitzend in die Arena einzufliegen. Nachdem der Hound den mitgebrachten Wight der versammelten Gesellschaft präsentiert hat, reißt Jon, der König des Nordens, den Vortrag an sich und zeigt in bester Teleshopping-Sender-Manier, welche Mittelchen gegen die Untoten helfen. img_1890 Feuer und Dragonglass. Dass die eigentlichen Bösewichte, die White Walker, auch mit valyrischem Stahl beizukommen ist und das sie wohl nur den König töten müssten, um die ganze Armee zu vernichten, lässt er dabei gekonnt unter den Tisch fallen. Es gibt halt immer einen Haken bei solchen vermeintlichen Schnäppchen Angeboten. Dem verängstigten Euron fällt dazu nur die Flucht aufs offene Meer, zurück zu den Iron Islands ein. Natürlich verkündet er das auch so laut, dass wirklich auch jeder weiß, dass er dort hin will. Zwinker! Zwinker! Cersei hingegen kann sich eine Zusammenarbeit durchaus vorstellen, wenn sich der Norden wieder unter der Ägide des eisernen Throns stellt. Doch Jon, der letzte Woche schon Daenerys seine Loyalität zugesichert hat, kann nun nicht noch einer zweiten Königin dienen. Also Abgang Cersei plus Gefolgschaft.

Nun hat die Stunde des Tyrion Lannister geschlagen. Alleine macht der sich auf den Weg in die Höhle der Schlange und leifert sich mit seiner Schwester ein emotionales Gespräch, bei dem nie ganz klar ist, ob dass nicht die nächste dumme Entscheidung des cleversten Mannes von Westeros war. Und so scheint der Moment gekommen, wo Cersei ein für alle Mal mit ihrer Prophezeiung brechen will. Doch den Befehl ihren Bruder zu töten, gibt sie letztlich doch nicht. Sieht sie in ihm keine Gefahr mehr? Glaubt sie, mit ihrer erneuten Schwangerschaft, die Weissagung als Lüge enttarnt zu haben? Ist sie überhaupt schwanger? Oder beinhaltet das Gespräch der beiden noch ein Detail mehr, da die Szene vor Ende der Unterhaltung abblendet? Wieder zurück, verkündet Cersei auch ohne eigene Forderungen den Kampf von Daenerys und Jon gegen die White Waker zu unterstützen.

Für den Zuschauer völlig überraschend, ist es anscheinend Tyrion gelungen seine Schwester davon zu überzeugen #TeamDany&Jon auch ohne die selbst geforderten Bedingungen zu unterstützen. Doch als Jaime seine Generäle die nötigen Instruktionen zum Marsch Richtung Norden mitteilt, erklärt Cersei ihm sie habe nur geblufft und hat keine Ambitionen ihre Armeen zu entsenden. Ihr Plan ist es, wer auch immer diesen Krieg im Norden überleben wird zu bekämpfen. Und natürlich ist ihr baldiger Ehegatte Euron nicht ängstlich nach Hause gefahren, sondern hat nach Essos übergesetzt, um die Golden Company für die letzte Staffel mit ins Boot zu holen. Für Jaime, der von Cersei wärend seiner Gefangenschaft betrogen wurde, die nebenbei noch eine Folterkammer für ihre Feinde unterhält und erst vor Kurzem die Septe mit vielen unschuldigen und zivilen Opfern in die Luft gesprengt hat, dass nebenbei erwähnt wiederum Tomme in den Suizid trieb, ist nun der Point of no Return erreicht.¹ Jaime Lannister leaves King's LandingEr verlässt seine geliebte Schwester und entscheidet sich, aus King´s Landing abzureisen, um im Norden zu kämpfen. Auch bei ihrem zweiten Bruder bringt es die Königin nicht übers Herz, dem Mountain den Befehl zur Liquidierung zu erteilen. Ob es für die beiden noch ein Wiedersehen geben wird? Eigentlich ja schon, doch wie viel ist die Valonqar-Theorie noch Wert? Und wie lange hält der Betrug stand, wenn Jaime erst mal in Winterfell eintrifft und berichtet, was Cersei eigentlich vorhat? Mit einigen stimmungsvollen Bildern verabschiedet sich King´s Landing für diese Staffel und ein erst dreinschauender Jaime Lannister reitet davon, während der Schnee nun endlich auch die südlicheren Gebiete Westeros erreicht hat.

Zurück auf Dragonstone tüfteln Daenerys und Jon zusammen mit ihren Ratgebern an der Verlegung der Truppen nach Winterfell. Anscheinend haben sie den Köder von Cersei geschluckt. Doch bevor es wieder Richtung Norden geht, haben Jon und Theon noch eine Unterhaltung, bei der die beiden ihre Differenzen beilegen. Alfie Allen hatte in seiner Rolle als Theon Greyjoy selten wirklich viel Screentime, machte aber fast immer etwas sehr schönes daraus. Er kann es also. Doch diese Redemption Szene gegenüber Jon funktioniert nur bedingt. Theon hat im Verlauf der sieben Staffeln einen Weg eingeschlagen, bei dem es kein zurück geben kann. »Gods help you Theon Greyjoy, now you are truly lost.« Zusätzlich zieht sich sein Handlungsstrang einfach zu sehr in die Länge. Hier wurde die Beendigung wahrlich um ein bis zwei Staffeln verpasst. Nun darf er aber noch zu einer letzten Reise aufbrechen seine Schwester retten.

Anschließend machen sich Jon und Dany in einem Schiff nach White Harbor auf, um von dort gemeinsam nach Winterfell zu reisen.

#EPICBOATSEX

Warum die Szenerie von Tyrion misstrauisch beäugt wird? Gibt es eine geheime Abmachung zwischen ihm und Cersei? Liebt er Daenerys vielleicht selber? Weiß er um das Verwandtschaftsverhältnis der beiden? Oder ist ihm bewusst, welche Probleme diese Liaison mit sich bringen können? Man wird es vorerst nicht erfahren, und während das einstige Inzest Traumpaar sich trennt, geht es für ein Neues erst so richtig los.

Für viele war die Geschichte um Arya und Sansa in Winterfell das Problemkind dieser Staffel. Und bis zuletzt musste man hoffen und bangen, ob es die Serienmacher noch schaffen die Handlung halbwegs geschickt und glaubwürdig zu beenden. Diese Frage kann man mit einem eindeutigen JEIN beantworten. Es kommt also zu einem weiteren Treffen zwischen Littlefinger und Sansa, bei dem der Lady of Winterfell weiterhin versucht wird einzureden, ihre Schwester plane, sie umzubringen. Es ist wichtig, immer die Motive der handelnden Personen zu hinterfragen. Littlefinger ist dabei ein Meister, wenn es darum geht, seinem Gegenüber die Gedankenspiele als die eigenen Ideen zu verkaufen. Und so beschließt Sansa, ihre Schwester in die große Halle zu bringen. Doch natürlich fallen die erhobenen Anklagepunkte Verrat und Mord nicht Arya, sondern dem lässig an der Wand stehenden Petyr Baelish zur Last. Der sichtlich irritierte Littlefinger, der auch hier wieder toll geschauspielert wird von Aidan Gillen, windet sich nach allen Seiten. Doch die Schlinge hat sich längst um seinen Hals zugezogen und so verurteilt ihn Sansa zum Tod. »The man who passes the sentence should swing the sword.« Oder auch nicht. Arya ist durch ihre Ausbildung eh geschulter im Umgang mit Messern. ¯\_(ツ)_/¯

In keinem anderen Handlungsstrang fällt es mehr auf, wie sehr die Staffel unter ihrer geringeren Episodenzahl leidet. Gerade hier in Winterfell fehlt es an Zwischentöne, die einen behutsameren Aufbau der Geschichte ermöglicht hätte. Das Ergebnis, der Tod von Littlefinger mag befriedigend sein, der Weg dahin ist es leider nicht. Nur mithilfe einer allwissenden Figur war es möglich, jemanden wie Littlefinger zu besiegen. Man hat quasi betrogen, um zu gewinnen. Dazu sind die vorgebrachten Anklagepunkte von Sansa alles andere als gut gewählt bzw. nicht haltbar und belasten sie selbst. Den Mord an ihrer Tante Lysa etwa, hat sie selbst mehrere Jahre vertuscht. Der in dieser Szene anwesende Yohn Royce war auch damals dabei, hegt aber vermutlich einen Groll gegen Littlefinger. 

Auch der Mord an Jon Arryn, die Hand des Königs vor Eddard Stark, durch Gift ist eine Information die Sansa jahrelang für sich behalten hat, ohne sie zu teilen. Der Brief an Catelyn, in dem Lysa die Lannisters für Jon Arryns Tod verantwortlich macht, existiert nicht mehr und fällt somit als Beweis weg. Der Verrat an Ned, »I did warn you not to trust me.«, ist sicherlich Auslegungssache. Hat Littlefinger hier nicht einfach auf der Seite des Königs gestanden? Und warum wird das littlefingeredmeme_2b2260db5b9416a958a6aca40e039b06Wort von jemandem wie Bran, der in dieser Staffel kaum gehandelt hat, überhaupt so viel Gewicht gegeben? Und dass der Catspaw Dagger einst Littlefinger gehört, bestreitet dieser gar nicht ab. Eventuell hätten Sansa und die Drehbuchautoren noch mal in die dritte Folge der ersten Staffel schauen sollen. Die Vorwürfe sind also konstruiert, einem Schauprozess würdig, der nur dafür sorgen sollte, Littlefinger endlich aus dem Spiel zu nehmen. Eine Verteidigung, oder gar einen Trial by Combat, wurden dem Intriganten erst gar nicht zugestanden. Und wann war nun der Punkt gekommen, an dem die Stark Geschwister anfingen zusammenzuarbeiten? In einem Interview gab Bran Darsteller Isaac Hempstead-Wright bekannt, dass in einer geschnittenen Szene, Sansa Bran um Rat im Bezug auf Arya aufsucht und dieser ihr von Littlefingers Machenschaften erzählt. Von wegen slow learner, gar nichts hat Sansa gelernt.²

Später erreichen Sam, Gilly und Little Sam Winterfell. In einem Gespräch mit Bran wird nun die endgültige Wahrheit über Jons familiäre Verhältnisse geklärt. Jon Snow, wurde unter dem Namen Aegon Targaryen geboren. In einer geheimen Zeremonie haben sich Prinz Rhaegar und Lyanna trauen lassen und somit hätte Jon/Aegon einen rechtmäßigen Anspruch auf dem eisernen Throne noch vor seiner Tante Daenerys. 

Zum Abschluss dieser Folge kommt es dann zum unvermeidbaren und von vielen wahrscheinlich heiß erwarteten Angriff des Night King´s mit seinem Eisdrachen auf die Wall. Und hier lässt Game of Thrones visuell noch mal die Muskeln spielen. Die blauen Flammen von Viserion reißen nun das östliche Ende ein, die Eisbrocken stürzen ins Meer und die Armee der Untoten setzt ihre ersten Schritte beyond the Wall hinein in die sieben Königreiche. Tormund? Beric? Die Redshirts? Gendry? Die wichtigsten Leute werden es wohl noch rechtzeitig auf das Ende geschafft haben, was stehen geblieben ist.



Vieles war zu erwarten, einiges wurde aufgespart und nur wenig kam unvorhergesehen. In sechs Jahren legte Game of Thrones geschickt Hinweise aus, die zu manch absurden Theorien heranwuchsen. Kann man der Serie an diesem Punkt überhaupt noch vorwerfen, sie wurde es sich mit der Auflösung der einzelnen Handlungsstränge zu leicht machen? Wie so oft ist der Weg am Ende das eigentliche Ziel. Die Staffel mag zu Ende sein, doch die Serie ist es noch nicht. Der Hypetrain hat fürs erste angehalten. Einmal Volltanken bitte. Spätestens in einem Jahr startet er dann zu einer alles entscheidenden letzten Runde durch. 



MEINE TODESLISTE FÜR DAS STAFFELFINALE

  • Theon Greyjoy
  • Cersei Lannister
  • Sandor »The Hound« Clegane & Gregor »The Mountain« Clegane 
  • Brienne von Tarth
  • Petyr »Littlefinger« Baelish 

¹ und ² https://youtu.be/zqj_GvdP1TE

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