Gedanken zur Bundestagswahl 2017

Der Montag danach ist immer etwas schwierig. Ob die Ergebnisse die sich seit gestern Abend bei der Wahl zum 19. Bundestag herauskristallisieren eher der Beginn einer real gewordene rechtsnationalistische Utopie darstellt oder der Albtraum eines freien und menschlichen Deutschlands ist, hängt natürlich vom Träumer selbst ab. Die Volksparteien haben verloren, und zwar beide, für die Grünen und die Linken geht es weder so richtig hoch noch runter, die FDP meldet sich mithilfe ihrer schwarz-weißen Plakat Kampagne stilsicher zurück. Und dann wäre da noch diese „Alternative“.

Man stelle sich einen ruhigen Abend auf einer Terrasse vor. Der alte Mann schaukelt ruhig in seinem Schaukelstuhl hin und her, es ist Spätsommer und die Sonne geht gerade am Horizont unter. Vor ihm ein weites Feld, in dem nur die Heuschrecken leise vor sich hin zirpen. Eine unendlich werdende Ruhe begleitet von einer langsam einschläfernden Langeweile. Der Bundestagswahlkampf war genau das. Ruhig und einschläfernd. Und dabei hätte es an Themen gar nicht gefehlt. Soziale wie wirtschaftliche Herausforderungen gibt es in Deutschland, man kann es so sagen, an jeder Straßenecke.

Zu beginn des Jahres 2017, als Martin Schulz als Kanzlerkandidat der SPD ausgerufen wurde und mit einem Wahlergebnis, von dem jede Diktatur nur träumen kann, zum Vorsitzenden gewählt wurde, da gab es ihn, diesen einen Moment, die Möglichkeit für den Bruchteil einer Sekunde, ja vielleicht so gar den Willen eines Machtwechsels. Doch gewählt wurde im September und nicht im Frühjahr. Und so arbeitete sich Herr Schulz zu Beginn noch sichtlich enthusiastisch an der Regierung ab, mit zunehmender Dauer schlief er, genauso wie seine Partei, in den wärmenden Armen der Kanzlerin ein. Pünktlich zwei Stunden nach dem die Wahllokale an diesem Sonntag geschlossen hatten, wachte er dann, nach eigenen Aussagen, mit guter Laune und im Wahlkampfmodus für 2021 wieder auf.

Zu seiner Fröhlichkeit gesellte sich dann an diesem Abend in der „Die Berliner Runde“ seine Angriffslust, im Verlauf verrannte er sich dann zunehmend in ein arrogantes Gehabe, mit dem Wissen das es unter ihm keine Koalition mit der Union geben wird. Dabei dachte man, der Herr Schulz hätte sich vom Herrn Schröder distanziert. Und so agierte der SPD-Vorsitzende wie ein beleidigtes und bockiges Kind, dem nun langsam dämmert, dass ihm zwar das Format eines Kanzlers fehlt, der aber durchaus eine Chance auf dieses Amt gehabt hätte. Und die Kanzlerin? Die hat es sich bequem gemacht und in ihrer unnachahmlichen Art schweigend den Wahlkampf ausgesessen. Das für sich genommen ist schon eine politische Spitzenleistung. Stellen Sie sich vor, es ist Wahlkampf und die Kanzlerin macht einfach nicht mit. Wie kann man so überhaupt gewinnen? Wenn der politische Gegner erst gar nicht mit einem spielen will.

Vorerst gibt es also keine Koalition zwischen CDU/CSU und der SPD. Die Sozialdemokraten ergreifen die Flucht und drücken sich aus Selbstschutz vor dem Regieren. Gut für die Partei. Aber auch gut für Deutschland? Das ganze Verpacken sie dann als Pflicht, der AfD die Führung der Opposition nicht kampflos zu überlassen und beginnen sogleich mit allerlei Versprechungen, die natürlich erst in vier Jahren umgesetzt werden können. Dass man 15 von 19 Jahren selbst in der Regierungsverantwortung stand, davon sieben Jahre mit einem SPD-Kanzler, dass haben dann hoffentlich alle schon längst wieder vergessen.

Was bleibt, ist Jamaika. Eine Regierungsbildung zwischen Grünen, der FDP und der Staubsauger Partei. Dass Herr Lindner als gebranntes Kind, sich vorerst ziert und den Preis für vier weitere Jahre Angela Merkel hochtreibt, kann man ihm sicherlich nicht verübeln. Und auch die Grünen würden gerne mal wieder auf der anderen Seite des Bundestages sitzen, halten sich aber erst mal bedeckt. Doch was wären die Alternativen? Die SPD will nicht. Grüne und FDP wollen nicht um jeden Preis, müssen aber, weil keiner ernsthaft Neuwahlen will.

Und dann haben wir da noch eine Partei, wo sich die Frage stellt, warum man sie nicht ernst genommen hat und den Wählern in aller Deutlichkeit aber sachlich aufgezeigt hätte: DIE NICHT! Eine Partei, die es in Betracht zieht, auf Kinder an der europäischen Außengrenze zu schießen. die sollte man ernst nehmen. Und nun schreiben alle wie betäubt auf twitter, Facebook und co. wie scheiße sie Nazis finden. Wie blöde die Ossis sind und man selber so etwas nicht fassen kann. Was hat die AfD nur so stark gemacht? Die Verantwortung für das gute Abschneiden tragen wir alle! Wir alle, Politiker wie Wähler der demokratischen Parteien, wir sind die Demokraten in unserem Land, wir sind die Wächter der Freiheit. Wir sind der Schutz, der unser freies, friedliches und buntes Deutschland schützt. Liebe demokratischen Parteien zeigt uns, dass Sie die politische Alternative in diesem Land sind.

Was wird uns also in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren erwarten? Möglich, dass es mit der Zeit zu einem Gewöhnungseffekt kommt. Möglich auch, dass die AfD sich wie einst die Piraten selbst zerstören. Frauke Petry hat schon mal den Bosbach gemacht und ist aus der Bundestagsfraktion geflüchtet. Möglich auch, dass die Parteien nun völlig auf Abwehrhaltung gehen, doch dann gibt man vor allen die Protestler völlig auf. Am Ende bleibt ein Ergebnis, das man ernst nehmen muss, das vor allem aber dazu Anregen sollte sich selbst zu hinterfragen.

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