Blade Runner 2049

Der Blade Runner geht nach 35 Jahren wieder auf die Jagd nach Replikanten. Die 2017-Version die uns Regisseure Denis Villeneuve dabei präsentiert ist düster, melancholisch und gegen vorherrschende Sehgewohnheiten gefilmt. Stellt sich nur die Frage ob auch Regisseure von digitalen Meisterwerken träumen?

Als das Original 1982 erschien, war das Kino im allgemeinen und das Science-Fiction Genre im speziellen, auch wenn STAR WARS streng genommen mehr Fantasy ist, ein völlig diametral verlaufendes Geschäft im Bezug auf Scotts dystopische Filmwelt. Folglich ging der Blade Runner trotz eines Superstars wie Harrison Ford (1977: STAR WARS, 1979: Apocalypse Now, 1980: The Empire Strikes Back, 1981: Raiders of the Lost Ark) finanziell unter und auch Kritiker konnten dem Werk damals nur wenig abgewinnen. Seitdem sind zweierlei Dinge passiert. Zum einen hat sich mit den Jahren die Anerkennung für Ridley Scotts Blade Runner als visionäres Erlebnis mit philosophischen Tönen etabliert und es scheint Konsens zu sein, dass der Film einfach zur falschen Zeit das Licht der Welt erblickte. Zum anderen hat sich das Credo »HÖHER, SCHNELLER, WEITER!« in immer höhere Spähren geschraubt und so erscheint ein Film, wie es Blade Runner 2049 ist, angenehm aus dem Zeitgeist gefallen. Dennoch bilden diese zwei zeitlichen Entwicklungen eine nur schwer zu lösende Problematik, mit der sich der Blade Runner im Jahr 2017 nun zu beschäftigen hat.

Wer mit dem Originalfilm nichts anzufangen weiß, ist hier genauso verloren wie all jene, die lange Kamerafahrten, wenige Schnitte, eine mit vergnügen langsam erzählte Geschichte die ihrer Hauptfigur Raum und Zeit gibt und eine in jedem Sinne stark reduzierte Konzentration von Explosionen und Action nichts abgewinne können. So gesehen also die perfekten Voraussetzungen, dass auch dieser Blade Runner zumindest an den Kinokassen, das Schicksal seines Vorgängers teilen könnte.

Im Jahr 2049 setzt ein Routineauftrag Agent K´s (Ryan Gosling) eine Kette von Ereignissen in Gang, die sowohl gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen könnten, als auch für ihn persönliche Konsequenzen bereithalten. Wer mit gängigen Erzähltechniken vertraut ist, wird in etwa erahnen wohin die Reise gehen wird. Das ist für einen Film, der nach außen hin propagiert »Ich bin was besonderes«, dann doch etwas enttäuschend. Problematisch wird es auch, wenn die emotionale Verbundenheit zu Charakteren des 1982er Films, gerade für Nichteingeweihte, gänzlich fehlschlägt und auch die neuen Protagonisten einen eher distanziert im Kinositz zurücklassen.

Blade Runner 2049 hat also zwei Probleme. Auf der einen Seite kommt er nicht an den vielleicht auch etwas zu sehr nostalgisch verklärten Kultstatus des Originals heran und auf der anderen Seite ist er so grundlegend anders als Kinofilme im Jahr 2017, so dass den meisten Zuschauern wohl eher die Augen zufallen, anstatt der Mund offen vor Bewunderung.



Audiovisuell ein Genuss ist Blade Runner 2049 ein Film der durch seine Inszenierung lange nachwirken kann und sich wie ein im höchsten Maße berauschende Erfahrung um die eigene Fantasy legen kann. Er ist aber auch simpel, ja fast schon schlicht und schrammt dabei eher am Remake als am Sequel vorbei. Letztlich lassen sich dabei kaum neue philosophische oder dramaturgische Elemente finden. Ein Film mit solcher Bildgewalt hat es eigentlich nicht verdient, bewohnt zu werden von flachen zum Teil langweiligen Charakteren.

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