The Last of the Starks

Nach dem sich der Eissturm gelegt hat, bietet Regisseure David Nutter den Protagonisten eine kurze Verschnaufpause. Für ihn ist es die letzte, von insgesamt neun Folgen, an denen er mitgewirkt hat. Doch der letzte Krieg steht unmittelbar bevor und Game of Thrones bietet dabei alles, was die Serie die letzten Jahre schon zu bieten hatte. Im Guten wie im Schlechten.

Auch die vierte Episode in dieser Staffel verweilt zu einem Großteil im Norden. Gemeinsam mit den ersten zwei Folgen, »Winterfell« und »A Knight of the seven Kingdoms« und der Schlacht in Folge drei »The Long Night« schließt sich hier nun der erzählerische Bogen um die verbliebenen Starks und ihren Verbündeten. Die Serie hatte es dieser Familie immer schwer gemacht, Winterfell ist sogar zwischenzeitlich fast völlig aus dem Focus der Geschichte gerückt, umso schöner, dass die ersten Folgen dieser Staffel dies nun wieder wettmachen.

The shield that guards the realms of men

Es wird Zeit, den Gefallenen der langen Nacht Lebewohl zu sagen und sie auf ihre letzte Reise zu schicken. Zwar ist die Trauerrede von Jon an Pathos nicht zu überbieten, aber sie trifft halt auch den Kern der Ereignisse. Die Toten werden sicherlich im Norden noch für viele weitere Jahre dem Feuer übergeben werden. Farewell, my dear friends. Die größte Bedrohung, unter Einsatz vieler Leben, ist besiegt und so gönnen sich die Lebenden ein Fest, das durchaus Erinnerungen an eine bestimmte Hochzeit vor allzu langer Zeit wieder erweckt. Das ist insofern nicht verwunderlich, da David Nutter einst auch die berühmt-berüchtigte Red Wedding inszenierte. Immerhin nimmt die Gesichte diesmal ein versöhnlicheres Ende.

Doch den Figuren ist bewusst, dass die nächste Bedrohung schon am Horizont auftaucht und so verfolgen sie nach dem kurzen Innehalten schon wieder ihre eigenen Pläne um Machtsicherung und politisches Taktieren. An vorderster Front natürlich Dany, die sich zwar Respekt verschaffen konnte, aber einen Großteil ihrer Armee dafür einbüßen musste. Und so macht es durchaus Sinn, Frieden mit der Usupatorin Familie zu schließen und Gendry offiziell zum Lord of Storm´s End zu ernennen. Doch das nützt ihr aktuell gar nichts. Jon ist die omnipräsente Gefahr für ihren eigenen Thronanspruch und er ist hier zu Hause. Hier bei seinen Freunden, während ihr alle Verbündeten nach und nach verloren gehen.

Und so sucht sie die Aussprache mit Jon. Der ist zwar vom Kampf und dem Fest gezeichnet, aber weiterhin seiner Königin ergeben. Und so sieht er nicht, welche Probleme sein Geheimnis für die Beziehung zu Dany und deren Thronanspruch mit sich bringen. Vor allem weiß Daenerys, dass sie in diesem Land keinen Rückhalt hat. Sie hat nach wie vor einige Verbündete um sich, aber eben keine Freunde. Und so mutet die Bitte, Jon solle sein Geheimnis für sich behalten, letztlich nach einer großen Verzweiflungstat an. Fast schon flehend und gleichzeitig drohend versucht sie dieses Geheimnis noch unter Kontrolle zu bringen. Aufzuhalten ist es aber nicht mehr, wie die Folge im späteren Verlauf aufzeigt.

Und auch der Konflikt zwischen ihr und Sansa bleibt nach der gewonnene Schlacht bestehen. Das ist nachvollziehbar und verständlich, zumal man beide Seiten verstehen kann. Ja es ist richtig, die Truppen brauchen eine Pause. Es ist aber auch wahr, dass je länger man wartet, umso stärker Cersei wird. Am War Table jedenfalls gibt es reichlich Gegenwind für Dany, doch der Vormarsch nach King´s Landing ist durch keinen noch so warnenden Einwand mehr aufzuhalten. Das bekräftigt die Stark Schwestern jedenfalls darin, ihren »Bruder« ins Gebet zu nehmen und ihre Bedenken gegenüber Daenerys zu äußern. Warum man dafür die Szene wechseln muss und exakt die gleichen Figuren im Goodswood wieder auftreten lässt? Nobody knows.

Nach einem kurzen Vorgeplänkel kommt es dann zur Enthüllung um Jons wahre Elternschaft. Die Reaktionen auf diese Enthüllung spart sich die Serie leider ein. Wir hatten sie zugegebenermaßen aber nun auch schon oft genug. Sansa, Schwur hin oder her, weis Jon´s Geheimnis in bester Littlefinger Manier zu benutzen, um für Zwietracht im Lager von Dany zu sorgen. Sie ringt zwar mit sich und ihre eigenen politischen Ambitionen bleiben weiterhin im verborgenen [WO IST EIGENTLICH SER YOHN ROYCE?], letztlich vertraut sie sich Tyrion aber an und nimmt die damit verbundenen Konsequenzen gerne in kauf.

Bevor sich Jon also mit Davos und den übrigen Kräften auf nach King´s Landing macht, kommt es zu diversen Abschieden. Ob wir Tormund oder Sam noch einmal wiedersehen? Schön wäre es natürlich, aber die Serie findet aktuell auch ihr Ende. Dass Jon und Ghost keine emotionalere Szene spendiert bekommen, kann man dem Budget der Serie im Allgemeine und dem Desinteresse an den Direwolfs im Besonderen zuschreiben. Schade wenn das wirklich das Ende wäre. Künstlerische Entscheidung hin under her. Aber ein Jon, der sich nach dem letzten Krieg Tormund und den Wildlings anschließt und in einer letzten Szene am Ende der Serie zu Ghost zurückkehrt, hätte etwas versöhnliches. Träumen darf erlaubt sein.

»And when your tears have drowned you, the valonqar shall wrap his hands about your pale white throat and choke the life from you.«

Die über weite Strecken gefühlvoll erzählte Geschichte zwischen Jaime und Brienne findet ebenfalls in dieser Folge ihr vorläufiges Ende. Das sich beide noch mal wieder sehen scheint unwahrscheinlich und so erfüllen die Serienmacher wohl den meisten einen Herzenswunsch und schenken ihnen eine gemeinsame Nacht. Doch Jaime, der zwar eine erstaunliche charakterliche Reise hinter sich hat, zieht es am Ende wieder nach Süden. King´s Landing? Cersei? Vielleicht, weil er sie noch immer liebt? Oder will er Daenerys und Jon unterstützen, um den Konflikt nicht gänzlich eskalieren zu lassen? Immerhin hat er schon einmal die Hauptstadt vor den Mächtigen gerettet. Für das Baby? Wie dem auch sei, das Schicksal dieser Zwillinge scheint zu stark miteinander verbunden zu sein. Das Jaime und Cersei gemeinsam aus diesem Leben scheiden, womöglich Kartenraum, bleibt abzuwarten. Und so bricht es nicht nur Brienne, sondern auch uns das Herz. Inklusive »Break Her Heart To Save Her«-Trope.

Zwischendurch streut die Folge noch kleiner Szenen zwischen Sansa und dem Hound ein, Gendry der Arya vergeblich einen Hochzeitsantrag stellt und Bronn, der bereit ist, die Lannister Brüder am Leben zu lassen, wenn er dafür Highgarden sein eigen nennen darf. Leider fallen diese Szenen im Gesamtkonzept der Episode eher negativ auf und man hätte sicherlich gut daran getan auf die ein oder anderer zu verzichten.

The Mad Queen

Es ist die Folge der »Daenerys – Stormborne – Targaryen the First of Her Name, The Unburnt, Mother of Dragons, Breaker of Chains, Queen of Meereen, Queen of the Andals and the Rhoynar and the First Men, Khaleesi of the Great Grass Sea and Queen of the Seven Kingdoms«. Auch wenn diese Folge für sie nichts weiter als Verlust und Schmerz bereithält. Als Person hat sie über mehrer Staffeln hinweg große Erfolge in Essos erzielen können, doch ihr Glück hat sie spätestens im Westeros der siebten Staffel verloren. Sie ist die Verliererin dieser Folge. Der »Iron Throne« scheint für sie mehr und mehr ausser Reichweite. Es war letztlich ein Irrglaube, dass man sie hier im Land ihrer Väter mit offenen Armen empfangen würde.

Und so steuert sie unweigerlich in eine Katastrophe hinein. »The ones she had lost and the ones she had found. And the ones who had loved her the most« Die charakterliche Entwicklung von Dany, die möglicherweise als »Mad Queen« beendet sein wird, ist durchaus glaubhaft. Die Kritik daran ist zwar nachvollziehbar und Game of Thrones hätte früher wesentlich feinfühliger und subtiler solche Veränderungen vorangetrieben, aber die Schlüsselmomente sind auch in dieser Staffel alle vorhanden. Daenerys engste Verbündete und Kinder sterben unter ihrer Führung, um dem einen Ziel, den eisernen Thron zu besteigen näher zu kommen. Wer würde da nicht, noch immer im Glauben auserwählt zu sein, alle Konsequenzen in kauf nehmen?

Das Geheimnis ist zur Information geworden

Eine der stärksten Szenen, weil sie den Kern der Serie so gekonnt wieder aufgreift, ist die Unterhaltung zwischen Tyrion und Varys. Beiden ist bewusst, dass Jon Snow ein Problem für Danys Herrschaftsanspruch darstellt. Eine pragmatische Lösung, wie von Tyrion vorgeschlagen, hält Varys zurecht für undurchführbar. Gleichzeitig sehen sie die ersten Anzeichen, die Mother of Dragons könnte unter dem Druck zusammenbrechen und Dinge tun, auf die die Zwei keinen Einfluss mehr gewinnen können. Doch was ist es eigentlich, was Tyrion so All-In bei Dany gehen lässt? Ist es der Wunsch, selber an etwas größerem beteiligt zu sein? Zu beweisen, dass er mehr Wert ist als es sein Äußeres erscheinen lässt? Varys dagegen macht Dany durchaus klar, dass der Weg den sie aktuell beschreitet, von ihm nicht befürwortet werden kann. In der nächsten Folge könnte uns also das Ableben von Varys bevorstehen, sollten die Pläne, Dany aus dem Spiel der Throne zu entfernen, weiter voranschreiten. Ob Tyrion bis zum bitteren Ende an der Seite seiner Königin verweilt kann zumindest angezweifelt werden.

Das Zeitalter der Magie geht zu Ende

Grundsätzlich sind fast alle Charakterentwicklungen in dieser Staffel spannend und interessant, leider fehlt es den Figuren und ihren Geschichten merklich an Zeit, um die nötigen Zwischenschritte und feinen Nuancen besser herauszuarbeiten. Ein Problem mit dem sich die Serie letztlich schon seit einigen Jahren rumschlägt. Probleme die auch schon Staffel 7 deutlich in ihrer Entfaltung behindert haben. Dennoch bietet Game of Thrones alles an, was die Serie die letzten Jahre schon anzubieten hatte. Tolle Charaktermomente (Jaime/Brienne, Arya/The Hound, Jon/Dany, Tyrion/Varys) und gleichzeitig immer wieder einige schlechtere Szenen (Bronn vs. Tyrion/Jaime, Sansa/The Hound). Tolle Action und dann wieder weniger logische Plot Device. Darüber lässt sich vortrefflich streiten. Es ist trotzdem keine Entwicklung, die nur innerhalb dieser Staffel passiert, sondern ein Prozess der spätestens mit Staffel 5 schon begonnen hat.

Am Anfang war Game of Thrones eine, an das mittelalterliche Europa und seinen Konflikten, angelegtes Spiel um Politik und Macht. Ein Spiegelbild unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Doch schon mit dem Ende der ersten Staffel, bäumten sich die Mächte der Magie ein letztes Mal auf. Drachen, Götter, längst vergessene Direwolfs, White Wakers und andere magische Elemente wie dem Three-Eyed Raven und den Kindern des Waldes fasten wieder Fuß in der Welt aus Eis und Feuer. Doch dieser letzte Frühling scheint nun zum Staffelfinale sein Ende zu finden. Die Welt wird entzaubert und übrig bleiben nicht die Wunder, sondern die Menschen und ihre Ränkespiele, genährt durch Intrigen und Verrat. »When you play a game of thrones you win or you die.«

»No, it is not a pleasant sound…«

Und so kommt es vor den Toren der Hauptstadt, die verdächtig nach Qarth aussieht, zum Showdown zwischen den Königinnen. Doch die Positionen sind verhärtet und Cersei glaubt, auf der Gewinnerseite zu stehen. Zu perfekt ist ihr Plan, bisher aufgegangen und weder Dany noch Tyrion vermögen es an diesem Punkt der Geschichte das Ruder noch herumzureißen und eine für alle akzeptable Lösung zu kreieren. Der Tod von Missandei, »DRACARYS!«, ist das letzte Teil in der Mad Queen Theorie und die nächste Folge wird hoffentlich den Worten Danys engsten Vertrauten folgen und Feuer über Westeros bringen. Es ist durchaus schade, dass Lena Headey als Cersei so wenig in dieser Staffel zu tun hat. Hoffentlich kann sie ihr ganzes Potenzial noch in den letzten zwei Folgen ausspielen.

Wie geht es am 12-05 weiter?

Meine Todesliste:

* Name war nicht auf der ursprünglichen Liste.

  • Daenerys „Stormborn“ Targaryen
  • Cersei Lannister
  • Jaime Lannister
  • Arya Stark
  • Euron Greyjoy
  • Varys
  • Greyworm
  • Sandor „The Hound“ Clegane
  • Gregor „The Mountain“ Clegane
  • Bran Stark
  • Tormund Giantsbane
  • Missandei [The Last of the Starks]*
  • Rhaegal [The Last of the Starks]*
  • Melisandre [The Long Night]
  • Jorah Mormont [The Long Night]
  • Night King [The Long Night]
  • Theon Greyjoy [The Long Night]
  • Beric Dondarrion [The Long Night]
  • Lyanna Mormont [The Long Night]*
  • Eddison „Edd“ Tollett [The Long Night]*

Mit Missandei und ihrem Drachen Rgaegal hat Danerys auch in dieser Folge treue Wegbegleiter verloren. Beide standen nicht explizit auf meiner Liste, um so überraschender waren ihre Tode. Tormund dagegen könnte mit dem Ausgang diese Woche eine realistische Chance auf ein »Happy End« haben.

Welche Theorien sind eingetroffen?

Die Folge gibt sich Mühe einige beliebte Fantheorien weiter vorzubereiten. Um die Erwartungen schlussendlich doch wieder zu unterwandern? Der Cleganebowl, die Mad Queen und die Valonqar Prophezeiung sind dabei wohl die aktuell prominentesten und auch weiterhin möglich. Folge 5 könnte in dieser Richtung schon für Antworten sorgen. Ob Drogon so spät in der Serie noch eine Rüstung spendiert bekommt? Oder mit irgendwelchen Drachenverwandten um die Ecke fliegt? Beides scheint doch zu weit hergeholt zu sein.


Die Serie steuert auf ihr Ende zu. Noch zwei Folgen und es ist noch nicht ganz klar, wer denn nun am Ende der Sieger sein wird. Jon Snow, weil er es verdient hat? Daenerys, weil sie es unbedingt will? Cersei, weil den Autoren ein unerwartetes und überraschendes Ende am besten gefällt? Oder so gar Tyrion? Folge 4 erfüllt seine Aufgabe, die Figuren wieder ein gutes Stück weiter voran zubringen durchaus gut, lässt aber das Zwischenspiel der ersten Staffel im Intrigenspiel vermissen. Völlig Fehlerfrei in ihrer Gesamtstruktur ist die Episode, genau wie die Serie, daher nicht. Ein gute Geschichte erzählt sie dabei aber dennoch.

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