The Bells

Hört Sie, die lauten Glocken des Friedens – dreiste Glocken! Welch Terror, welch Sturm sie verkünden! Im erschrockenen Ohr der Schlacht. Wie schrillt ihr vor Angst! Schockierend und innehaltend. Es gibt kein Zurück mehr! Nicht für Daenerys Targaryen. Nicht für das Spiel um den eisernen Thron – King´s Landing fällt dem Feuersturm zum Opfer. Die Glocken, die Glocken, die Glocken …[1]

Burn them all

Nach dem Ende der letzten Folge hat sich Daenerys auf Dragonstone zurückgezogen, desillusioniert und mit ihren Kräften am Ende. Varys schreitet, wie schon angekündigt, damit voran sie aus dem Weg zu räumen. Er verfasst lauter Briefe, die über die wahre Herkunft von Jon Snow informieren. Ob sich diese Information noch über Westeros verteilen konnte, wird sicherlich in der finalen Folge aufgelöst werden. Die Versuche, Dany durch vergiftetes Essen zu töten scheitern jedenfalls am Unwillen der Königin selbst und Jon direkt am Strand für seine Sache zu gewinnen ebenfalls. Tyrion, der Varys eine Menge verdankt und immer eine freundschaftliche Beziehung zu ihm hatte, kann davor nicht die Augen verschließen.

Er sucht, sichtlich mit sich ringend, das Gespräch mit seiner Königin und berichtet ihr von Varys Machenschaften. Es sind die letzten, fast schon verzweifelt wirkenden Versuche des Master of Whisperers, das Schicksal des Reichs aus den impulsiven Händen der Mother of Dragons zu reißen. Sie sind zum Scheitern verurteilt. Und so wird er mitten in der Nacht, fast ungesehen von allen, abgeführt und zu Daenerys gebracht und wie sie es ihm einst versprochen hat, bei lebendigen Leib verbrannt. »I hope I’m wrong.« Auch wenn man Conleth Hill (Varys) in Staffel 8 drehbuchtechnisch fast nichts gegeben hat, um zu interagieren, so sind doch die kurzen Szenen vor allem in Folge 4 und in dieser toll gespielt. Der Abschied im Zusammenspiel mit Peter Dinklage war ein schöner und trauriger zugleich – Die Figur Varys wird dem Kontinent vermutlich fehlen.

Dany und das zieht sich in dieser Staffel wie ein roter Faden durch, hat niemanden in Westeros. Niemand hat darauf gewartet, dass sie das Volk von Westeros von den aktuellen Herrschern befreit und den Konflikten zwischen den größeren Häusern ein Ende setzt. Auch Jon befindet sich, gerade wegen der Liebe zu Dany, in einer moralischen Grauzone, aus der er als Charakter nicht auszubrechen vermag, um ihr den benötigten Rückhalt zugeben und so das Schicksal von King´s Landing noch abzuwenden. »Let it be fear

Bevor der Morgen die Truppen zur Hauptstadt marschieren lässt, ergreift auch Tyrion eine letzte Chance und befreit seinen, durch Danys Truppen gefangen genommenen, Bruder und bittet ihn, Cersei davon zu überzeugen zu kapitulieren und die Stadtglocken dafür als Zeichen läuten zu lassen. Es war die letzte Szene zwischen diesen beiden großartigen Schauspielern und sie erwischt einen emotional. Ein würdiger Schlusspunkt der so ungleichen Lannister Bruder.

With Fire and Blood

Am nächsten Morgen erreichen Arya Stark und der Hound gerade noch rechtzeitig die Stadt und können, anders als Jaime, in den inneren Stadtkreis der die Red Keep umschließt, gelangen. Der sich daran anschließende Angriff durch Drogon und Daenerys auf die militärischen Ziele der Stadt endet für die Truppen der Lannisters & Greyjoys in einem Desaster. Dany schaltet sowohl die Flotte von Euron, die unzähligen auf den Stadtmauern angebrachten Ballisten und einen Großteil der Golden Company im Alleingang aus. Waren vor allem die Wurfgeschosse noch sehr effektiv, haben diese nun gar keine Chance mehr dem Drachen etwas anzuhaben. Entweder weil es das Drehbuch so will oder Dany etwas aus ihren Fehlern gelernt hat und Drogon nun gezielter, vor allem aber schnell und tief angreifen lässt. Die Zerstörung erlaubt es den Unsullied, Dothraki [JA es gibt noch welche] und den Kräften des Nordens in die Stadt vorzudringen und die „feindlichen Truppen“ zurückzudrängen und zur Kapitulation zu bewegen. Die anschließenden Glockenschläge sind eine Erlösung in diesem Chaos.

Die Glocken, die Glocken, die Glocken …

Daenerys ist am Ziel. Sie hat die Hauptstadt eingenommen und ihrem Anspruch auf dem eisernen Thron steht nichts mehr im Weg. Dennoch greift sie die Stadt weiter an, ignoriert willentlich die Glocken und stürzt King´s Landing in einen verheerenden Feuersturm, der selbst vor der Zivilbevölkerung keinen halt mehr macht, und so teilen jene denen Varys immer dienen wollte, nämlich den einfachen Menschen von Westeros, sein Schicksal und sterben im Drachenfeuer. Angetrieben von ihrer Königin machen sich die Targaryen-Truppen unter der Führung eines völlig in Rage befindlichen Grey Worms daran alles was sich ihnen in den Weg zustellen vermag abzuschlachten. Sie alle sind Fremde in diesem fremden Land.

Selbst Jon kann die eigenen Truppen nicht davon abhalten sich den Plünderungen anzuschließen. Soldaten, Männer, Frauen und Kinder werden auf brutalste weise zerstückelt, vergewaltigt und abgeschlachtet. Cersei beobachtet die Szenerie von jenem Balkon aus, von dem sie in Staffel 6 zugesehen hat wie ihre Feinde der High Sparrow und die Tyrells durch Wildfire in die Luft gesprengt wurden und muss nun feststellen, wie dieses Feuer sich unaufhaltsam auf sie zu bewegt. Das ist Krieg, Rache, Wahnsinn, Wut. Und Regisseur Miguel Sapochnik hat keine Skrupel dies den Zuschauern mit voller Wucht ins Gesicht zu schlagen.

In all dieser Zerstörung folgt die Episode zwei weiteren Handlungssträngen. Auf der einen Seite versuchen, Arya und der Hound zu Cersei bzw. dem Mountain vorzudringen, auf der anderen Seite versucht Jaime, einen Weg zu seiner Schwester zu finden. Beide Wege münden in einem Duell auf Leben und Tod. Jaime, der versucht durch die Katakomben ins Schloss zu gelangen trifft auf Euron und kann diesen nach einem eher unbeholfenen Kampf durch einen Stich in den Magen tödlich verwunden. »Tell me, if I’d stabbed the Mad King in the belly instead of the back, would you admire me more?« Bye Bye Cajal Pirat. Aber auch Jaime muss bei diesem Duell einige Treffer einstecken und kann sich nur schwer verwundet weiter auf die Suche nach Cersei begeben. Den »Dane Bowl« kann letztlich also keiner von beiden für sich entscheiden.

Innerhalb der Red Keep kann der Hound dann Arya im letzten Moment davon überzeugen nicht weiter nach Cersei und ihrer Rache zu suchen. Die beiden Charaktere die uns in Staffel 2 und 3 so viel Entertainment gegeben haben, verabschieden sich von einander für immer. Er entscheidet sich für den Tod und sie sich für das Leben. Wenig später trifft Sandor auf Cersei, Qyburn und seinem Bruder. Der anscheinend doch noch etwas menschliches in sich trägt, sich gegen seinen Schöpfer stellt und Quburn mit voller Wucht gegen die Wand schmettert. Nach letzter Woche war eigentlich klar, dass es zum großen »Cleganebowl« kommen wird. In dieser Folge erfüllen die Serienmacher uns diesen Wunsch und präsentieren dabei einen trashigen ´80er Jahre Fight. Der dennoch durch die Wucht mit der Hafþór Júlíus Björnsson (Gregor Clegane) und Rory McCann (Sandor Clegane) aufeinander losgehen mitreist und am Ende dem Hound seinen verdienten Frieden schenkt. »Someday I’m going to put a sword through your eye and out the back of your skull.« Die Parallelmontage die zwischen dem Kampf und Arya ist hervorragend gelungen.

Am Ende der Episode finden sich Jaime und Cersei zwar wieder [im Kartenraum], können aber keinen Ausweg mehr aus der einstürzenden Red Keep finden und werden von ihr erschlagen. Die Macht die Cersei einst an sich riss, zerdrückt sie schlussendlich und bietet dem Zuschauer eine Auflösung fernab der voyeuristischen Gewaltfantasien rund um den Tod dieser Figur an. Ein Entscheidung, die mutig und richtig ist. Einzig die fehlende Einsicht, das ihre Taten sie an diesen Punkt gebracht haben, ist kritisch zu hinterfragen. Arya, die in der Zwischenzeit um ihr Leben gerannt ist und dem Tod mehrfach entkommen konnte, kann sich vorerst auf dem Rücken eines Pferdes vor dem Fallout in Kings Landing retten.

My Queen of the Ashes

Zu den Diskussionen um die finale Auflösung des Konflikts mit dem Night King gesellt sich diese Woche eine weitere hitzige Debatte um Game of Thrones. Im Kern dreht sich die Kritik darum ob »The Bells« die Figur Daenerys Targaryen irreparabel zerstört und ihr eine Charakterwandlung angedichtet hat, die so nie hätte passieren können.

»The notion that this sprawling story about epic political gamesmanship, the corruption of power, the things we inherit from our families, the people we choose to love, and the inevitable inescapable march of death would ultimately hinge on a trope as painfully stale as “and then the scary powerful woman goes crazy” is, to be frank, boring.«

Game of Thrones Finally Got Its Mad QueenBy Kathryn VanArendonk

Die Leute brüllen: »That’s not my Daenerys Targaryen!« oder »Dany would never do that!« Weil die Version von Dany auf dem Bildschirm im Widerspruch mit der Version in ihrer Vorstellung steht. Und das ist im Grunde nichts Schlechtes. Geschichten bewegen uns. Wir sind emotional investiert und das ist etwas Großartiges.[2] Wir sind Fans. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der 8. Staffel wird sicherlich noch Wochen oder sogar Jahre an Zeit brauchen. Einige werden nie über diese Enttäuschungen hinwegkommen. Und noch in 10 Jahren werden einige darüber den Kopf schütteln und nicht verstehen warum ihre Serie so eine schlechte Saison gespielt hat.[3]

Der Knackpunkt liegt darin, wie man zu den einzelnen Charakteren steht. Wie investiert man in ihre Geschichten ist. Je nachdem braucht man dann mehr oder weniger Erklärungen, um diese Entwicklung nachzuvollziehen. Im konkreten Beispiel haben wir Daenerys über so viele Staffel hinweg verfolgt. Wir haben ihre Geschichte miterlebt. Für viele ist sie die Heldin in dieser Geschichte und Sätze wie »They can live in my new world or they can die in their old one.« oder »When my dragons are grown, we will take back what was stolen from me and destroy those who have wronged me. We will lay waste to armies and burn cities to the ground.« wurden immer als Ausdruck der Ungerechtigkeit, die Dany Widerfahren ist wahrgenommen.

Aber du bist immer nur der Held deiner eigenen Seite und in den Augen der anderen immer der Bösewicht. Das macht Game of Thrones so spannend, weil keine Figur wirklich nur böse oder gut ist. Und genauso wird es bei diesen Diskussionen nie ein wirklich richtig oder falsch geben. Vielleicht macht der Thron in Westeros, dieses Symbol der absoluten Macht, verrückt. One Throne to rule them all. Vielleicht kann man ihn nur mit Angst, Feuer und Blut erobern und halten. »I´ve got Seven Kingdoms to rule! One King, Seven Kingdoms! Do you think honor keeps them in line? Do you think honor that keeping the peace? It´s fear! Fear and blood!«, sagte Robert einst zu Eddard. Und diesem Motto hat sich Dany angeschlossen: »And i will take wat is mine with fire and blood«

Wie geht es im Serienfinale weiter?

Meine Todesliste:

* Name war nicht auf der ursprünglichen Liste.

  • Daenerys „Stormborn“ Targaryen
  • Arya Stark
  • Greyworm
  • Bran Stark
  • Tormund Giantsbane
  • Jaime Lannister & Cersei Lannister [The Bells]
  • Sandor „The Hound“ Clegane [The Bells]
  • Gregor „The Mountain“ Clegane [The Bells]
  • Qyburn [The Bells]*
  • Euron Greyjoy [The Bells]
  • Varys [The Bells]
  • Missandei [The Last of the Starks]*
  • Rhaegal [The Last of the Starks]*
  • Melisandre [The Long Night]
  • Jorah Mormont [The Long Night]
  • Night King [The Long Night]
  • Theon Greyjoy [The Long Night]
  • Beric Dondarrion [The Long Night]
  • Lyanna Mormont [The Long Night]*
  • Eddison „Edd“ Tollett [The Long Night]*

Mit Episode 5 verlassen uns weitere Namen auf meiner Todesliste. Alle Figuren haben über die gesamte Serie hinweg tolle Momente gehabt und bleiben unvergessen. Ein Dankeschön an Conleth Hill (Varys), Pilou Asbæk (Euron Greyjoy), Anton Lesser (Qyburn), Hafþór Júlíus Björnsson (Gregor Clegane), Rory McCann (Sandor Clegane), Nikolaj Coster-Waldau (Jaime Lannister) und Lena Headey (Cersei Lannister). Wurde in Folge drei noch kritisiert, dass nur Nebencharaktere gestorben sind, dreht sich diesmal die Aufregung, um das WIE die Hauptcharaktere gestorben sind …

Für die letzte Folge befinden sich noch 5 Namen auf der Liste. Vor allem Dany und Arya stehen weiterhin hoch im Kurs. Greyworm bekommt meine Wild Card und Bran und Tormund sollten eigentlich save sein. Weiterhin müssen die Daumen für Tyrion gedrückt werden, der Mann lebt aktuell sehr gefährlich.

Welche Theorien sind eingetroffen?

Die Theorie Front bröckelt weiter. Auch die Valonqar-Theorie hat sich letztlich nicht bewahrheitet, zumindest nicht so, wie man sich das dachte. Sie wurde aber auch nie in der Serie thematisiert und beruhte schon immer auf dem Buchinhalt. Bleibt am Ende nur noch die eine große Prophezeiung um den Azor Ahai, der seine Geliebte töten musste um der Welt den Frieden zubringen. Klar ist, dass Jon und Dany auf ein Ende zusteuern, dass nicht beide überleben werden. Und was ist eigentlich mit Bran, Sansa und Yohn Royce? Die sollten im Finale doch noch eine Rolle spielen oder?


Die vorletzte Folge erntet in Sachen Daenerys alles was über 8 Staffel hinweg im kleinen wie im großen aufgebaut wurde. Für viele der zweite große Bruch mit der Serie. Die Mad Queen gilt es nun in der alles entscheidenen letzten Folge zu besiegen. Ob Jon dazu fähig ist? Bis dahin bietet »The Bells« ein visuelles Erlebnis an, dass den Schrecken, die Grausamkeit und die Sinnlosigkeit des Krieges direkt ins Wohnzimmer schreit. Gleichzeitig ist es der Abschied so vieler faszinierender Charaktere, auf beiden Seiten. Nur noch 1 Episode.

[1] Der Vorschautext ist inspiriert vom Gedicht »The Bells« von Edgar Allen Poe.
[2] Darren Mooney legt bei Twitter eine gute Analyse vor, warum ihm die aktuelle Kritik am Ziel vorbeischießt.
[3] Der Youtuber Thor Skywalker beschäftigt sich mit dem Begriff Fandom und »When good fans go bad!«

Auch interessant die Theorie über die Dragon Madness

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